Konzertbericht und Konzertfotos | 25. Mai 2014 | © Lukas Seufert


Eine Gratwanderung

Trailerpark und Karate Andi in der Würzburger Posthalle


Würzburg (music-on-net) - Es ist oft ein schmaler Grat zwischen Faszination und Enttäuschung. So kann man das Trailerpark-Konzert am Sonntag in der Posthalle in Würzburg durchaus beschreiben.

 

Verglichen mit den vollen Hallen, die Bandmitglied Alligatoah auf seiner letzten Tour erleben durfte, ist die Posthalle heute eher schwach gefüllt. Das muss nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein, da die Fans eben nicht nur wegen Alligatoah ihr Ticket gekauft haben, sondern auch, weil sie den Rest der Rap-Gruppe zu schätzen wissen.

 

Als Vorgruppe fungiert der Neuköllner Karate Andi. Mit sechs, vorwiegend asozial und provokant gehaltenen, Songs spielt er nicht gerade eine lange Show. Es reicht aber, um die Schulter- und Armmuskulatur der Fans beim Bouncen für den Haupt-Act warm zu machen.

 

Sein Battlerap enthält Einflüsse von Trailerpark und ist deswegen bestens als Support geeignet. Freunde dieses Musikstils können ihn auch im Juli auf dem Hip-Hop-Festival splash! erleben.

 

Sehr auf die Zuhörer unter 16 Jahren abgestimmt, startet die Trailerpark-Crew um 20:45 direkt mit einem Song vom neuen Album „Crackstreet Boys 3“. Leider ist das Quartett nicht komplett. Basti liegt krank im Bett. Vielleicht ist das auch nur eine Ausrede und Basti ging, wie es sich für einen Crackstreet Boy scheinbar gehört, wieder einmal zu stark dem Alkoholkonsum nach.

 

Aber auch zu dritt bieten SuddenAlligatoah und Timi Hendrix gleich von Beginn an eine beeindruckende Show und starten mit den Songs „New Kids on the Blech“ und „Partycrasher“ weiterhin gut durch. Auf letzterem ist der von vielen jungen Mädchen geliebte Alligatoah zwar gar nicht vertreten, was aber kein Problem darstellt, da er einen anderen seiner Parts einrappt, der trotzdem sehr gut hinein passt.

 

Bin ich doch von den ersten drei Songs so begeistert, dass mir ein Grinsen im Gesicht steht, bin ich vom weiteren Verlauf des Abends eher etwas enttäuscht. Natürlich ist der Hype um Alligatoah gerechtfertigt, da sein Album „Triebwerke“ im letzten Jahr zurecht weit oben in den Charts rangierte. Die Setlist ist meines Erachtens aber viel zu stark mit Alligatoahs Songs bestückt. Natürlich wird auch der beliebteste Song „Willst du“ performt, den jeder einmal live erlebt haben sollte.

 

Die Atmosphäre, wenn das Publikum die Hook alleine singt, ist schlicht weg beeindruckend. Von den älteren Trailerpark-Alben wird allerdings nur wenig gespielt. Falls doch, in zensierten Versionen. Die dargebotene Fassung des Songs „Pokemonkarten“ ist beim besten Willen nicht schlecht und sehr witzig gemacht, geht aber zu weit weg vom eigentlichen Trailerpark-Stil.

 

Sehr gut ist dabei auch die Pikachu-Mütze, die Sudden trägt – ein Parodie auf Cro? Für Trailerpark wirkt alles ein bisschen zu brav und ungewohnt, wenn man einmal bedenkt, dass die Release-Party des Albums „Crackstreet Boys 2“ zurecht erst ab 18 Jahren zugänglich war.

 

Daran schließen sich die Songs des neuen Albums, dass noch vor dem Winter 2014 erscheinen wird, an. Es ist sehr soft, klingt aber trotzdem fantastisch. So ertappe ich mich dabei, dass ich sogar die mir unbekannten Hooks mitsinge. Das neue Album ist in jedem Fall feiertauglich und wird wohl auch sofort nach der Veröffentlichung in meinem Regal stehen.

 

Die Fans saugen die neuen Songs mit fetzigen Bässen genüsslich auf und rappen lautstark mit. Auch die Bewegungen ziehen sich durch die Crowd. Die neuen Songs laden einfach dazu ein, sich mehr zu bewegen als nur zu bouncen.

 

Letzten Endes besinnen sich die drei noch auf ihre Wurzeln und spielen den Song „Selbstbefriedigung“, bei dem auch die jüngeren Fans lautstark mitsingen und mitfeiern.

 

© Lukas Seufert (25-05-2014)


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