Konzertbericht und Konzertfotos | 28. April 2013 | © Gerald Langer


Hüpfende Känguruhs statt fliegender Schweine

The Australian Pink Floyd Show gastiert zwei Abende hintereinander in der Frankfurter Jahrhunderthalle


Frankfurt (music-on-net) - Coverbands, die sich die ganz großen Namen der Rock- und Popgeschichte vornehmen, haben es nicht leicht. Die Latte hängt meist sehr hoch. Manch ein Versuch, sie zu überspringen oder mit Anstand zu unterlaufen, muss scheitern.

 

Das Werk der Prog-Rock-Legende Pink Floyd beschäftigt mittlerweile einige international agierende Bands. Die bekannteste und weltweit erfolgreichste Formation unter ihnen ist The Australian Pink Floyd Show, die im Rahmen der laufenden Deutschlandtournee gar zwei Abende hintereinander in der Frankfurter Jahrhunderthalle gastiert.

 

Im Jahr 1988 in Adelaide, Australien gegründet, feiert die Big Band in diesem Jahr bereits ihr mittlerweile 25jähriges Bühnenjubiläum. Es fällt zusammen mit dem 40. Jahrestag der Veröffentlichung des Pink Floyd Klassikers „The Dark Side Of The Moon“, das bei weitem erfolgreichste Album der psychedelisch mehr als nur angehauchten Rockgruppe. Ob es tatsächlich auch ihr bestes Album der Band ist? Darüber mögen sich die berufenen Floydianer die Köpfe weiter zermürben.

 

Das Publikum in der Jahrhunderthalle am frühen Sonntagabend, der Konzertbeginn ist mit 19:00 angegeben, zeigt die erwartete altermäßige Bandbreite, wenn Väter und Mütter eine ansehnliche Plattensammlung ihr eigen nennen und auch ihr Nachwuchs daran Gefallen findet. Bunt gemischt also und hochinteressiert. Musik von Pink Floyd gemeinsam zu hören und zu genießen – also ein Ohren- und Augenschmaus mit Bewusstseinserweiterung – ganz bestimmt auch ohne irgendwelche Stimulanzien. Kollektives Erinnern im Breitwandformat!

 

Die Band startet selbstverständlich pünktlich. Selbstverständlich ohne jeden Support! In der ersten Halbzeit wird der vorgenannte Albumklassiker von Pink Floyd chronologisch – perfekt visualisiert und optimal ausgesteuert – präsentiert. Ich wage zu behaupten, dass alle Gäste dieses Album nahezu in und auswendig kennen. Kann es da noch wirkliche Überraschungen geben? Es sind die schwierigen – meist gesanglichen – Passagen, bei denen wir besonders aufmerksam zuhören und den Vergleich zum „Original“ aus dem Gedächtnis heraus überprüfen möchten. The Australian Pink Floyd Show meistert diese Klippen nahezu perfekt. Die Stimmen werden auf mehrere Akteure verteilt, sie passen somit. Die feinsten Besonderheiten der Vocals von Roger Waters und David Gilmour können sie allerdings nicht herausarbeiten, was nicht weiter schlimm ist. Die charakteristischen Soundschnipsel, z. B. bei Breathe, werden nicht einfach übernommen, sondern zeitgemäß transferiert.

 

Nach einer gut zwanzigminütigen Pause beginnt ein „Best Of“, wenngleich man sich mit derartigen Bezeichnungen gerade bei Pink Floyd schwer tut. Zu stark stehen ihre Songs im jeweiligen Albumkontext, so dass man sie nicht nach Belieben dort herauslösen kann. Doch die gewählte Kompilation - während der laufenden Tour wird die Setlist offensichtlich nicht verändert - passt auch hier. Ich muss sogar sagen, der zweite Teil des Konzertes ist insgesamt spannender, da sich hier die Möglichkeit bietet, sich an geeigneter Stelle auch etwas vom Original zu lösen. Und damit sind eben nicht nur die zu Känguruhs mutierten Schweine an der runden Leinwand gemeint.

 

The Happiest Days Of Our Lives, Another Brick In The Wall Pt. 2, Echoes, Shine On You Crazy Diamond ( Pt. 1-5) als Tribut an das Pink-Floyd-Gründungsmitglied Syd Barrett, Wish You Were Here, Comfortably Numb und als Zugabe ein famoses Run Like Hell. Nach 165 Minuten - inklusive der Pause - ist die Show vorbei.

 

Mit den Tönen der bei uns längst vergessenen australischen Band Men At Work und ihrem mittlerweile zur Nationalhymne geadelten Downunder heißt es für uns aufwachen - die Zeitreise ist zu Ende - und sich mit den anderen Begeisterten in Richtung Ausgang zu bewegen. Die Anderen sind zahlenmäßig sehr viele, denn die Jahrhunderthalle war am Sonntag restlos ausverkauft.

 

Es war ein am Schluss ein wirklich höllischer Ritt durch die Vergangenheit und man wundert sich, wie schnell all die Jahre seit 1973 vergangen sind. Pink Floyd sind allerdings noch immer für mich eine sehr lebendige Geschichte. Ich werde mir das Album in den nächsten Tagen sicherlich nochmals auf Vinyl anhören, dabei nach etwa zwanzig Minuten aufstehen, Plattenseite wechseln und mich an Weihnachten 1973 erinnern, als selbiges – hübsch verpackt - unter dem Weihnachtsbaum lag. Der Blick auf das Cover wird nachdenklich stimmen. Ist doch auch der Illustrator und Designer Storm Thorgerson vor wenigen Tagen erst verstorben. Sein Londoner Unternehmen Hipgnosis war Ende der 1960er und in den 1970er Jahre die Institution in Sachen Album-Art-Work, in einer Zeit als Musik noch analog und ihre Konservierung noch eine haptische und visuell ansprechende Verpackung hatte. Eben herausragendes Produktdesign!

 

Eine Reunion der außerordentlich erfolgreichen Band Pink Floyd ist ohne den im Jahre 2008 verstorbenen Richard Wright ohnehin nicht mehr möglich. Die übrigen Bandmitglieder – insbesondere Roger Waters und David Gilmour – sind als Solokünstler bis heute sehr erfolgreich. Das Erbe wird zudem von Aussiefloyd bestens verwaltet.

 

Das Jubiläumsjahr 2015 – 40 Jahre Wish You Were Here – werden wir dann wohl wieder – alle noch ein bisschen älter geworden – mit The Australian Pink Floyd Show feiern. Und das sind wirklich keine schlechten Aussichten!

 

Am besten auch wieder in der Frankfurter Jahrhunderthalle, die heute bestuhlt, den perfekten Rahmen für das audio-visuelle Großereignis bot. Vorbildlich abgestimmter Sound, das technische Equipement der Band auf der Bühne so positioniert, als wäre es nur für diese Halle, die in diesem Jahr ihr bereits 50jähriges Jubiläum feiert, ausgewählt worden.

 

Eclipsed by The Moon heißt das Motto der laufenden Tournee. Auf der Heimfahrt suche ich den Mond daher vergeblich am Himmel. Eclipsed!

 

© Gerald Langer (28-04-2013)

 


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setlist australian pink floyd show


Speak To Me

Breathe

On The Run

Time

Breathe (Reprise)

The Great Gig In The Sky

Money

Us And them

Any Colour You Like

Brain Damage

Eclipse

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The Happiest Days Of Our Lives

Another Brick In The Wall Pt. 2

Sorrow

In The Flesh

Echoes

What Do You Want From Me

Shine On You Crazy Diamond ( Pt. 1-5)

Comin’ Back To Life

Wish You Were Here

One Of These Days

Comfortably Numb

Encore:

Run Like Hell

 


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