Konzertbericht und Konzertfotos | 7. September 2012


Sennfeld oder Motown City

The Temptations Feat. Richard Street und der Ruhm alter Zeiten

EINE SCHÖNE GESTE | © GERALD LANGER
EINE SCHÖNE GESTE | © GERALD LANGER

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Sennfeld (music-on-net) Im Frühjahr waren bereits Earth, Wind & Fire mit Al McKay in den Posthallen Würzburg zu Gast. Dies war sicherlich vor allem ein Angebot an die etwas „betagteren“, aber im Herzen jung gebliebenen, Musikhörer gewesen. Der damalige Auftritt der Band ein voller Erfolg. Angekündigt wurden im April bereits The Temptations, die Band, die man schlechthin mit dem Motown-Soul in Verbindung bringt.

 

Im September soll nun diese Legende in der Frankenhalle des beschaulichen Sennfeld überzeugen. Eine gewisse Seelenverwandtschaft zur Motorcity Detroit ist durch die Nähe zu Schweinfurt ja durchaus gegeben.

 

Das Publikum - erwartungsgemäß bis in das frühe Ruhestandsalter hineinreichend. Darüber hinaus haben sich allerdings auch sehr viele junge Fans eingefunden, um die legendäre Formation, die sie sonst nur von irgendwelchen Musikträgern kennen, auch einmal live erleben zu können. Vielleicht hat der eine oder andere auch im elterlichen Plattenschrank gestöbert und ist dort fündig geworden – wer weiß?

 

Im Vorprogramm bemühen sich Selly & the Soul Sonics, eine unterfränkische Band aus Schweinfurt, redlich um eine gute Grundstimmung in der proper gefüllten Frankenhalle. Selly & the Soul Sonics sind eine Soul und Funk-Coverband, die sich auch an Klassiker des Genres, wie Superstition von Stevie Wonder, Freak Out von Chic und Sex-Machine von James Brown heranwagt.

 

Nathan Haugabrook (voc) , Fritz Wenzel (sax), Oli Reinhard (ba), Sven Lehmkämper (dr), Thomas Fischer (keyb) , Darius Hummel (sax) und Frontfrau Selena De León liefern dabei ein sehr passables Set mit einem mir manchmal allerdings etwas zu groß erscheinendem Wiedererkennungswert des Originals. Damit wird natürlich der unmittelbare Vergleich den jeweiligen Urversionen der Songs geradezu herausgefordert. Die Band sollte daher unbedingt mehr wagen - beim Medley „Sex-Machine“ war das musikalisch technische Potential der Band besonders spürbar.


SELLY & THE SOUL SONICS | © GERALD LANGER
SELLY & THE SOUL SONICS | © GERALD LANGER

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Um 21:15 bezieht dann die Background-Band der Temptations auf der Bühne Position, bevor, ganz in weiß gekleidet, die singende und tanzende „Front Row“ um Richard Allen Street mit Get Ready loslegt.

 

Das Set wirkt von Beginn an merkwürdig holprig. Street kokettiert mit dem eigenen Alter und den damit häufig einhergehenden körperlichen Einschränkungen, bis erkennbar wird, dass er ernsthaft gesundheitlich angeschlagen ist. Bereits nach 45 Minuten verschwindet die gesamte Band von der Bühne. Soll der Abend vorzeitig zu Ende gehen? Das Publikum bleibt erstaunlicherweise ruhig und abwartend. Bei allem Verständnis für einen krankheitsbedingten frühzeitigen Konzertabbruch hätte dieser wohl durchaus erhebliche finanzielle Auswirkungen für die Band und letztlich auch für den Veranstalter gehabt.

 

Nach gut halbstündiger Unterbrechung kehrt die Band – zusammen mit Richard Allen Street – wider Erwarten auf die Bühne zurück und liefert von da an eine mitreißende Show.

 

Verständlicherweise helfen die Mitstreiter des singenden Quintetts, wo es nur geht, aus. Zweckgemeinschaft wohl auch, aber spürbar mehr Kameradschaft und Respekt für einen Mann, der im Oktober seinen siebzigsten Geburtstag feiern wird und natürlich den Ruhm und das Rampenlicht der Erfolgsjahre auch ins hohe Alter hinüber retten möchte.

Die Hits kommen – Papa Was A Rollin‘ Stone – Richard Street möchte es natürlich auch noch lange bleiben. Das Publikum ist begeistert – der drohende Absturz des Konzertabends vergessen. Richard Street fordert seine Band, die die Bühne schon verlassen hat, zu weiteren Zugaben auf. Er geht heute Abend sicherlich an die Grenzen dessen, was er derzeit körperlich noch zu leisten vermag. Um 23:45 ist endgültig Schluss.

 

Ob wir die Temptations mit Richard Street noch einmal live erleben dürfen, erscheint nach diesem Abend sicherlich fraglich. Den Anstoß, sich wieder einmal mit dem musikalischen Oeuvre der legendären Band auseinanderzusetzen, hat er für uns Zuhörer gegeben. Beim Schreiben dieser Zeilen lief unter anderem auch auszugsweise der Backkatalog der Temptations.

 

Von hier aus die allerbesten Genesungswünsche für Richard Street. Im Vordergrund sollte auch bei ihm die Gesundheit stehen. Kann er aber der Versuchung „The Temptations“ am Schluss wirklich widerstehen?

 

© Gerald Langer {07-09-2012)

 


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THE TEMPTATIONS FEAT. RICHARD STREET | © GERALD LANGER
THE TEMPTATIONS FEAT. RICHARD STREET | © GERALD LANGER

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