Konzertbericht und Konzertfotos | 12. Oktober 2012 | © Gerald Langer


Nur ein Hauch von Rock‘n‘Roll - Der letzte Schrei!

Das Oldenburger Duo Simon & Jan mit nachdenklichen Texten im Cairo Würzburg

SIMON & JAN | CAIRO WUERZBURG | 12-10-2012 | © GERALD LANGER
SIMON & JAN | CAIRO WUERZBURG | 12-10-2012 | © GERALD LANGER

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Würzburg (music-on-net) Heute ist der Herbst in Würzburg angekommen. Schmuddelwetter eigentlich schon den ganzen Tag. Sich noch einmal aufzuraffen, weg vom warmen Ofen daheim, kostet fast schon Überwindung. Die Oldenburger Simon & Jan sind angekündigt, im Vorprogramm der Wahl-Würzburger Thomas Garos mit Andreas Kümmert. Ein Spektrum eher leisen deutschen Liedgutes von nachdenklich bis bitterböse.

 

Das Duo Garos & Kümmert kommt leider nicht zustande. Andreas Kümmert fällt kurzfristig aus. Schade, so müssen die Gitarrenparts von ihm wieder eingespielt werden, was der inhaltlichen Stärke von Thomas Garos‘ sehr persönlichen Songs „Beinander“ zwar keinen Abbruch tut, aber einen von zwei ambitionierten deutschsprachigen Duos gestalteten Abend leider nicht ermöglicht. Schade - insbesondere für Thomas Garos! Seine Songs kann man hier nachhören:

 

http://soundcloud.com/thomas-garos/halt-mich-beinander


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Auch das Duo Simon & Jan wird man in den Charts vergeblich suchen. Die Beiden machen nicht Musik für Millionen, sondern ausschließlich für Zuhörer, die auch wirklich zuzuhören in der Lage sind.

 

Die Moderation übernimmt der schlacksige Jan mit einem Wortwitz, der entwaffnend sein kann. Die Eckpfeiler des Abends - „Genitalien auf Abwegen“ - ein vierteiliger Songszklus. Zwei Akustigitarren, zwei eingespielte Gitarristen und Texte mit spitzer Feder geschrieben und von Jan pointiert vorgetragen. Mich erinnern die Oldenburger an die frühen Insterburg & Co, Schobert & Black und Ulrich Roski.

 

Es gibt wirklich nur einen kleinen Hauch von Rock'n'Roll, als Simon die Gitarre über Kopf spielt. Wirklich Spektakuläres sucht man ansonsten vergebens.

 

Es gelingt Ihnen - vollkommen relaxed - auch die Pausen in und zwischen ihren Stücken spannend zu gestalten. Briefe aus dem Jenseits, auch der Fallschirmsprung eines Jürgen W. Möllemann werden bitterböse vertont. Das Leben im Web 2.0 und die Herausforderungen durch die Vielzahl von „gefällt mir“-Buttons persifliert, die Generation „Youtube“ entlarvt, die allzu gerne „Karnickelkotzen“ guckt.

 

„Geiz ist geil - ich bin doch nicht blöd , alles super, aus Erfahrung gut“ zeigt die beiden jungen Barden, Anfang dreißig, geprägt von Werbeslogans, denen wir uns allesamt kaum mehr entziehen können. Auch, wenn wir diese kommerziellen Sprachpatterns noch so dämlich finden, nisten sie sich trotzdem wie Ungeziefer in unserem Bewusstsein ein. Vielleicht helfen ja die Songs von Simon und Jan den täglichen Wahnsinn aus einer gewissen Distanz - auf jeden Fall mit einem Schmunzeln - zu betrachten? Mit "Ahoi, kleiner Matrose" von Wolfgang Müller (wer ist eigentlich dieser Wolfgang Müller?) geht ein Liedermacherabend erster Güte zu Ende.

 

Das Vorprogramm ihres Förderers Götz Widmann durften Simon & Jan in der Vergangenheit bestreiten, mit den Monsters of Liedermaching waren sie gemeinsam auf Tour. Mit ihrem aktuellen Album "Simon & Jan" haben sie sich soweit emanzipiert, dass sie als heißer Tipp insbesondere für mittelgroße Clubs keine Probleme haben sollten, Ihre Fangemeinde sukzessive zu vergrößern. Im Cairo haben sie zusammen mit Thomas Garos jedenfalls einen herrlichen Abend gestaltet.

 

Die Glut im Ofen daheim dürfte mittlerweile ausgegangen sein. Das Feuer, sich auf Neues, bisher Unerhörtes und Ungehörtes einzulassen, ist dafür bei mir wieder entflammt.

 

© Gerald Langer (12-10-2012)


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