Konzertbericht und Konzertfotos | 6. Januar 2012 | © Gerald Langer


Pothead zünden die Rockrakete

Pothead in der Würzburger Posthalle am 06.01.2012

Foto: Gerald langer
Pothead live in der Posthalle Würzburg am 06.01.2012

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Würzburg (music-on-net.com) Schön ist an der etwas ruppigen und unprätentiösen Posthalle in Würzburg, neben ihrer grundsätzlichen (weiterhin leider nur vorläufigen) Existenz für Veranstaltungen unterschiedlicher Art, dass sie sich einigermaßen bedarfsgerecht an die jeweilige Zuschauerzahl anpassen lässt.

 

Heute also eher kleines Haus und große Bühne für das Powertrio aus Berlin. Brad Kok (Gitarre/Gesang), Jeff Dope (Bass) und Sebastian Meyer (Drums), unverkennbar nicht die heiligen drei Könige, haben sich für den Abend angekündigt.

 

Kurz vor neun geht es endlich los – der zur Verfügung stehende Hallenbereich dann auch gut angefüllt mit ihrer Fangemeinde.

 

Die beiden Wahlberliner aus Seattle im bequemen Anzug, lediglich Herr Meyer, geboren in Olpe/Sauerland, vergleichsweise salopp im T-Shirt und Jeans. Der Schlagzeuger wird heute Abend auch körperliche Schwerstarbeit leisten müssen, gibt er doch häufig Tempo und Rhythmus vor.

 

Mit tiefen Gitarrenakkorden und Bassläufen, die auch auf die Magenhöhle zielen und der sehr klaren, durchaus variablen, aber keineswegs aufdringlichen, Stimme von Brad Kok drehen sie ordentlich auf. Gut sitzende Ohrenstöpsel zum weiteren Erhalt des Hörvermögens sind heute Abend durchaus empfehlenswerte Accessoires, nicht nur für den bereits in die Jahre gekommenen Konzertbesucher.

 

Die drei Herren positionieren sich auf der Bühne derart, dass sich - in einer gedachten Aufsicht - exakt ein gleichseitiges Dreieck ergibt. Höflicher Abstand somit untereinander und die nächsten 100 Minuten - leider - auch zum Publikum. Sie sind eben nicht nur Meister an ihren Instrumenten, sondern ebensolche der nonverbalen Kommunikation mit dem Publikum. Mit ihren regelmäßigen Bierpausen zwischen den einzelnen Stücken nehmen sie ihrem Konzert immer wieder die Dichte und den Fluss, den andere Bands bei Live-Auftritten für geradezu zwingend erforderlich halten.

 

Wie kann eine Band ohne Dialog zum Publikum so mitreißend sein? Beinahe alles – zumindest nach Lehrbuch – falsch und doch im Ergebnis richtig gemacht. Somit ist ihr klischeefreies Verhalten geradezu phänomenal!

 

Am Ende einer insgesamt spontan wirkenden „Best-Of–Auslese aus zwanzig Jahren Pothead“, in die natürlich auch Stücke der neuen Platte „Pottersville“ eingestreut sind, lediglich ein „Ihr wart echt super“ von Brad, Händeschütteln, Bierflasche schwenken und ab geht’s von der Bühne.

 

Doch leicht wird ihnen der – nur scheinbar - abschließende Bühnenabgang nicht gemacht. Das Publikum ist regelrecht aus dem Häuschen, die Rufe nach Zugabe wollen nicht verschallen. Ein erstes und zweites Zugabenset sollen noch folgen. Der Gesamtauftritt gerät somit zu einem gut zweistündigen Ereignis, bei dem sowohl die Band als auch die Zuschauer letztlich voll auf ihre Kosten gekommen sind. Die Berliner wirken von der ausnehmend positiven Resonanz beim Publikum geradezu überrascht.

 

Die Rockrakete hat schlussendlich doch noch richtig gezündet, wenngleich die Pothead-typische „Performance“, Bier – Musik – Bier – Musik …etc., zunächst auch für gewisse Ladehemmungen gesorgt hatte.

 

Gerade die Ritualisierung dieses vorgenannten Wechselspiels und der Verzicht auf beinahe jedwede Rockerpose sind gewissermaßen Bestandteile ihrer musikalischen Darbietung, nicht nur bei uns in Würzburg. Im Mittelpunkt steht deshalb keine besonders schillernde Rockshow, sondern ganz einfach die Musik. Deren Vermarktung betreiben Pothead seit Jahren auch über ihre eigene Website. Keine große Plattenfirma mit dem Zwang zum Erfolg im Hintergrund, sondern auch regelmäßige Angebote für die Fans zum legalen Download. Derzeit steht unter http://www.pothead.de/musi_09.htm der Webmix No. 6 samt kunstvoll gestaltetem Cover für den interessierten Fan bereit.

 

Pothead versuchen sich konsequent überall frei zu machen von den üblichen Zwängen des Musikmarktes. Somit ist auch ihr vorläufiger Konzertkalender, um es mit den Worten von Loriot zu umschreiben, eher übersichtlich geraten:

 

Samstag, 28. Januar 2012: Berlin (Huxley's Neue Welt)

Freitag, 24. Februar 2012: Bielefeld (Forum)

Samstag, 25. Februar 2012: Magdeburg (Sackfabrik)

Donnerstag, 15. März: Karlsruhe (Substage)

Freitag, 16. März: CH-St. Gallen (Grabenhalle)

Samstag, 17. März: Nürnberg (Hirsch)

Samstag, 14. April: Neustadt o.d. Orla (Wotufa)

Samstag, 16. Juni: Hohenlobbese (Potstock Open Air)

 

Gerne wollen auch wir die Berliner wieder in Würzburg zu Gast haben.

 

Die Latte im neuen Konzertjahr der Würzburger Posthalle ist somit bereits zu Beginn sehr hoch gelegt worden. Schauen wir gespannt auf all das, was „2012“ noch kommen wird.

 

© Gerald Langer (06-01-2012)


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