Konzertbericht und Konzertfotos | 11. April 20143 | © Gerald Langer


Gefährlich gut - junge Musik aus Kopenhagen und Berlin

Lukas Graham und der Support Elias begeistern das Würzburger Publikum

LUKAS GRAHAM & BAND | WÜRZBURG | POSTHALLE | 11-04-2013 |
LUKAS GRAHAM & BAND | WÜRZBURG | POSTHALLE | 11-04-2013 |

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Würzburg (music-on-net) Das Lukas Graham Konzert war bereits für Januar angekündigt, musste dann aufgrund einer akuten Kehlkopfentzündung des jungen Dänen abgesagt werden. „Des einen Leid, des anderen Glück“, möchte ich sagen. War ich doch zum damaligen Zeitpunkt im Urlaub und hätte mich schon ein bisschen geärgert, wenn dieses Ereignis einfach so an mir vorüber gegangen wäre.

 

Die Posthalle füllt sich seit 20 Uhr langsam, aber doch spürbar. Guter Publikumsmix, auch die Generation „40 plus“ ist vertreten - nicht nur als Begleitpersonal für den meist weiblichen Nachwuchs. Mancher Fan hat eine längere Anreise hinter sich gebracht, um den Newcomer aus Kopenhagens Künstlerkolonie Christiana heute Abend erleben zu dürfen.

 

Den Konzertabend in den eröffnen Elias aus Berlin. Der gerade einmal zwanzigjährige Elias Hadjeus ist ihr Frontmann, Gitarrist und Songschreiber. Ihm zur Seite stehen Adrian Pfeil, Max van Dusen, Johannes Schmidt und ein richtig wild aufspielender Ondrej Homola. Songs nicht nur zum Textlauschen, sondern zum Mitwackeln. Gitarre und Keyboard sind der rote Faden durch frischen deutschen Indiepop, der auch rocken kann. „Du bist gefährlich“, Du geht’s nach Hause und ich geh „Kaputt“. Für Elias geht es nach dem heutigen Abend wirklich nach Hause. Es ist heute ihr letzter Abend als Support von Lukas Graham. Diese Band sollten wir auch weiterhin im Auge behalten. Ihm Ohr hat sie sich ohnehin schon festgesetzt. Irgendwie erinnern sie mich an Bosse – den mag ich allerdings auch.

ELIAS | WÜRZBURG | POSTHALLE | 11-04-2013
ELIAS | WÜRZBURG | POSTHALLE | 11-04-2013

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Pünktlich um 21 Uhr betritt die Band von Lukas Graham die nur spärlich mit Kolbenlampen ausstaffierte Bühne. Das Publikum ist von Beginn an aus dem Häuschen. Gerade mal ein Album hat die Band im Gepäck. Selbiges hat sich nicht nur in ihrer dänischen Heimat bisher bestens verkauft, sondern hat sich auch in deutschen Breiten als äußerst „Airplay tauglich“ erwiesen. „Drunk In The Morning“ habe ich so – natürlich nüchtern (bis auf das Frühstück) - zahllose Male im Radio genießen dürfen.

 

Dieser „Drei-Käse-Hoch“ aus der Freistadt Christiania, mitten in Kopenhagen gelegen, ist keine sprichwörtliche Rampensau, aber ein außerordentlich routinierter Entertainer, der das Publikum heute Abend mehrmals mit „Ladies an Gentlemen“ ansprechen wird, was mit seinem äußeren Erscheinungsbild, verkehrt herum aufgesetzte Baseballkappe und Unterhemd, allerdings keine Feinrippware, kaum zur Deckung zu bringen ist.

 

Musikalisch hat der mittlerweile Vierundzwanzigjährige allerdings einen unglaublichen Erfahrungsschatz sammeln dürfen. In jungen Jahren war er bereits Mitglied des Kopenhagener Knabenchors. Auch seine Band, besser seine Kumpels und Freunde, kommen aus Kopenhagen und sind trotz ihres jungen Alters ebenso musikalisch geschult. Zusammen mit "Magnùm" (Magnus Larsson) am Bass, „Joe Haenson aka Ristorp“ an den Keyboards / Wurlitzer und Mark „Lovestick“ Falgren am Schlagzeug bietet Lukas Graham Forchhammer eine perfekte, sehr erwachsene, Synthese aus eingängigem Soul, Funk und Hip-Hop, die er selbst gerne mit „Ghetto-Pop“ beschreibt.

 

Seine Stimme erinnert an den viel zu früh verstorbenen Otis Redding, die Intensität seines Auftrittes ruft die letztlich am eigenen Ruhm und an den Drogen zerbrochene Amy Winehouse ins Gedächtnis.

 

Möge dem Dänen dieses traurige Schicksal nicht beschieden sein. Trotz aller Souveränität auf der Bühne scheint er noch durchaus bodenständig zu sein, wie er jüngst im Interview, anlässlich seines Auftrittes bei zdf@bauhaus, durchblicken ließ.

 

Einer der Höhepunkte seiner Show sicherlich „Red Wine“, bei dem er eine junge Dame auf die Bühne bittet und sie wie ein junger Michael Jackson bei einem Gläschen Rotwein bezirpt.

 

Wir dürfen nur hoffen, dass die Posthalle einem weiteren Auftritt von Lukas Graham – nach Einspielen eines zweiten Albums – dann größenmäßig noch gewachsen sein wird. Denn wiedersehen wollen ihn wohl die allermeisten Besucherinnen und Besucher seines heutigen Konzertes, welches mit einem „Drunk In The Morning“ leider schon – mangels weiteren Songmaterials – nach fünfundsiebzig Minuten zu Ende gehen muss. Egal – die Qualität hat jedenfalls gepasst!

 

Gerald Langer (11-04-2013)

 

 


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