Johanna Merhof liest aus "Heartcore"

Local Support: Thomas Garos am Samstag, den 16.06.2012 in der Würzburger Kellerperle


Eigentlich war hier ein gemeinsames Bild von Johanna Merhof platziert. Leider gefiel sich Johanna auf diesem Bild und allen anderen nicht, so dass die Bildauswahl leider reduziert werden musste.


Würzburg (music-on-net.com) Samstagabend in Würzburg. Wetterprognose mit Tendenz Regen. Im Fernsehen die letzten Vorrundenspiele der Fußball-Europa-Meisterschaft. Im Innenhof der Stadtmensa noch laufende, aber vollkommen entspannte, Vorbereitungen für den gemeinsamen Auftritt von Johanna Merhof und Thomas Garos. Die Augen immer wieder zum Himmel gerichtet. Wird das Wetter halten? Die Zuhörerströme halten sich leider in Grenzen. Publiziert wurde das junge Künstlerpaket sehr wohl. Ursachensuche zwecklos - sei‘s drum. Uns erwartet ein spannender, unterhaltsamer, dabei auch sehr nachdenklicher Abend.

 

Johanna Merhof liest aus ihrem Erzählband „Heartcore - Liebe ist ein Aufstand“, Thomas Garos setzt dazwischen musikalische Akzente.

 

Johanna, Jahrgang 1982, geboren in Kassel, Studium der neuen Deutschen Literatur und Publizistik in Berlin, wo sie zur Zeit auch lebt, schrieb diverse Beiträge für „Heartcore“ als Kolumne auf Welt-Online.

 

Thomas, Jahrgang 1984, gebürtiger Fürther lebt schon geraume Zeit in Würzburg, musizierte zuvor mit der Würzburger Band „Burnout Syndrom“. Heute Abend lässt er es ruhiger angehen. Er spielt vor allem Stücke aus seinem aktuellen Songzyklus „beinander“( http://soundcloud.com/thomas-garos).

 

Ein Experiment sehr wohl, die beiden Künstler kannten sich zuvor nicht weiter, aber ein durchweg geglücktes. Gemeinsame Schnittmenge der beiden Protagonisten:

 

Die Liebe an sich und die Liebe zur Musik.

 

Erfrischend natürlich die Vortragsweise von Johanna Mehrhof, die L(i)ebensweisheiten nicht altklug und hausbacken serviert, sondern immer mit einer gehörigen Portion Witz und Ironie garniert. Wir hören ihrer „Playlist“ vom Abheben, Schweben, Abstürzen, Soloflügen, Landen, Vögeln und Weiterfliegen amüsiert und schmunzelnd zu. Kurze, knappe Sätze nur, aber ein jeder sitzt. Offen und ehrlich, selbstbewusst, nie aber verletzend und banal. Literarischer Rock‘n‘Roll aus dem Herzen direkt in unsere Ohren. Ihre musikalische Prägung erfolgte zunächst durch den väterlichen Plattenschrank, später bestimmte das eigene Leben ihren individuellen Soundtrack. Vergleiche mit dem britischen Pendant Nick Hornby muss sie nicht fürchten.

 

Thomas Garos setzt sich hingegen noch unmittelbarer und sehr viel emotionaler mit dem Thema Liebe auseinander. Seine Songs begleitet er selbst an der Gitarre, zum Teil werden entsprechende Passagen eingespielt. Wenn er „Leb‘ nie in der Vergangenheit“ und „Halt mich“ singt, so spürt man förmlich den Schmerz, den das Ende einer Beziehung, die Trennung von einem geliebten Menschen verursachen kann. Situationen also, die jeder von uns schon erfahren musste, die uns regelrecht aus der Bahn zu werfen drohen, uns häufig nachhaltig prägen. Thomas‘ Stücke bieten somit aufgrund ihrer Ehrlichkeit großes Identifikationspotential ohne dabei in eine romantische Endlosschleife und grenzenloses Selbstmitleid abzudriften.

 

Beim Schreiben dieser Zeilen läuft bei mir ein nicht mehr ganz aktuelles Album von BAP - Radio Pandora Unplugged. „Songs sinn Dräume“. Die mir wesentliche Textpassage sei hier zitiert:

 

„...........Songs sind Träume, manchmal Träume,

Déjà-vus von etwas, was noch wahr werden soll.

Songs sind Länder, fremde Länder,

wo man immer schon hin wollte.................“

 

Bewahren wir uns all die Träume, die wir in uns tragen, versuchen sie zu leben, nie rücksichtslos und egoistisch, sondern möglichst so, dass wir dabei die Träume unseres Gegenübers nicht zerstören.

 

„Liebe ist die radikalste Verwandlung. Sie ist der Sprung auf eine neue Ebene. Hier bleiben nicht viele. Glück ist immer gefährlich. Weil Glück öffnet. Unglück ist bequemer.“ (Johanna Merhof)

 

Das Wetter hat am Ende doch gehalten. Der prophylaktische Umzug während der Pause in die geschmackvoll eingerichtete Kellerperle ging reibungslos vonstatten und bot damit nebenbei die Möglichkeit, diese feine Würzburger Adresse endlich auch kennenzulernen.

 

© Gerald Langer (16-06-2012)