Konzertbericht und Konzertfotos | 14. Dezember 2012 | © Gerald Langer


In Extremo Meets Friends

Metal-Rock-Overkill zur Vorweihnachtszeit im Eventzentrum Strohofer in Geiselwind

Geiselwind (music-on-net) Schon im Sommer als ein Termin zum unbedingten Vormerken angekündigt, soll am heutigen Freitagabend für Freunde der hohen Dezibel ein Kalendertürchen der besonderen Art aufgehen.

 

Allerdings klemmt dieses Türchen etwas, denn die Halle öffnet nicht etwa, wie angekündigt um 16 Uhr, sondern eine gute halbe Stunde später. Das hintere Ende der sich bildenden Schlange ist vorne stehend – ich habe Glück gehabt - nicht absehbar. Nachdem an der Pforte schon längst gedrückt wird, beginnen die Aufbauarbeiten für den geregelten Einlass. Das Wetter - alles andere als angenehm, gerade richtig, um sich vor den Feiertagen noch eine Erkältung zuzuziehen. In der Halle Soundcheck – wir müssen also warten. Gegen 16 Uhr 30 dann tatsächlich Einlass.

 

Die Band Ingrimm aus Regensburg steht schon auf der Bühne. Ist das noch Soundcheck oder schon Teil des offiziellen Sets? Man weiß es nicht so recht, denn die vordere Barriere, die den Fotograben vom Zuschauerraum trennt, wird gerade noch aufgebaut. Die Band spielt vor fast leerem Haus. Ob man deren Musik nun mag oder nicht, es ist jedenfalls kein Akt der Höflichkeit den Oberpfälzern gegenüber. Sie bieten mit mittelalterlichen Instrumenten einen Metal-Mix für die Wenigen, die die Eingangsprozedur mit Bändchen schon hinter sich gebracht haben.

 

Der Zeitplan gerät von Anfang an durcheinander. Man gewinnt den Eindruck, dass der auswärtige Veranstalter vom heutigen Konzertereignis regelrecht überrascht wurde. Der allgemeinen Stimmung im Publikum tut dies indes keinen Abbruch. Es geht wirklich friedlich zu – zur Stärkung gibt es an allen Ecken und Enden Getränke. Verdursten oder verhungern wird heute sicherlich niemand. Als Vorteil der Eventhalle erweist sich deren Innenraum mit den verschiedenen Ebenen, was zwar nicht der Barrierefreiheit förderlich ist, aber die Möglichkeit des Rückzuges bei dieser Massenveranstaltung mit über 2.500 Gästen bietet.

 

Absolut katastrophal zu nennen ist allerdings die angebotene Ein- und Ausgangssituation der Halle bei einer derartigen gut besuchten Konzertveranstaltung. Durch ein Nadelöhr von geschätzten drei Meter Breite und wohl dreißig Metern Länge quälen sich Zuschauermassen, die hineindrücken, zur Toilette abbiegen oder einfach nur einmal draußen frische Luft schnappen wollen. Hinter mir fallen Anmerkungen wie Duisburg und Loveparade, die den Verantwortlichen nachdenklich machen müssen. Die Halle verfügt im „Ernstfall“ sicherlich über genügend beschilderte Flucht- und Rettungswege, aber die favorisierte Haupteingangssituation über diesen schlauchartigen Flur ist außerordentlich problematisch.

 

Eine deutlich glücklichere Hand beweist der Veranstalter mit dem Line-Up des heutigen Konzertmarathons. Es kann nicht jedem alles gleichermaßen gut gefallen, aber langweilen wird sich heute Abend sicherlich niemand.

 

Nach Ingrimm betreten Hämatom um 17 Uhr 45 die große Bühne. Die fränkische Band bemüht sich erkennbar um ein musikalisch – visuelles Gesamtkonzept. Die Musiker sind allesamt maskiert, ihre Künstlernamen orientieren sich an den Himmelsrichtungen: Nord, mit dunklen Augenringen, übernimmt den Gesang, Süd das Schlag-zeug, West den Bass und Ost spielt E- Gitarre. Nach drei Studio-Alben und dem aktuellen Live-Album Schutt und Asche hinterlassen sie die Bühne nicht in einem ebensolchen Zustand, sondern beim Publikum einen sehr positiven Gesamteindruck bei gerade etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit.

 

Ab 18 Uhr 50 bieten Mono Inc. einen wirklich bemerkenswert guten einstündigen Auftritt. Die Hamburger sind seit Jahren Konzert erfahren und wissen vor allem musikalisch zu überzeugen. Gesungen wird englisch, die Band hat klar den internationalen Markt vor Augen. Es ist düsterer Rock, aber auch mit einem Lichtblick - der hübschen Schlagzeugerin Katha Mia, die, am vorderen Bühnenrand stehend, auch gerne mal ein altes Ölfass mit ihren Schlagstöcken zur Freude aller bearbeitet. Dass sie nach der Show ein Publikumsmagnet am Merchandisingstand ist, wundert sicherlich niemanden. Ein Highlight im Auftritt der Band ist eine famose Coverversion des Iggy Pop – Klassikers I’m A Passenger. Am 08. März 2013 spielt die Band in der Würzburger Posthalle, eine wahrhaft schöne Perspektive.

 

Nach einer halbstündigen Umbauzeit betritt mit Fiddler’s Green eine gefeierte Band, quasi aus einer Nachbargemeinde, die Bühne und überzeugt mich aufs Neue. Deutscher Folkrock aus der irischen Enklave Erlangen, der von Anfang an das Publikum mitreißt. Es wird getanzt – nicht nur auf der Bühne. Die Stimmung ist ausgelassen. Irish Independent Speedfolk, sehr stark geprägt vom wahrlich teuflisch guten Geiger Tobias Heindl. Am Schluss die fotogene Musikerpyramide.

 

Knorkator – die meiste Band der Welt, so tituliert sie sich selbst - aus Berlin liefern sicherlich die bizarrste Show des Abends ab. „Wer hat diese Irren auf die Bühne gelassen“ titelte einst Deutschlands größte Boulevardtageszeitung. Diese Band ist schwerlich in Schubladen zu stecken, zu exaltiert ihr Wortführer Stumpen, der wie ein Bastard aus Super- und Batman im heruntergezogenen Body über die Bühne springt, sich am Boden wälzt, sich lasziv der smarten Gitarristin nähert und schon auch einmal einen wenig ästhetischen, aber dennoch geglückten Handstandüberschlag wagt. Er beschimpft und fordert das Publikum, auch die Fotografen, die er iwährend der Show auf die Bühne bittet und anschließend auch wortgewaltig wieder von dort vertreibt. Der einstündige Auftritt von Stumpen, Alf Ator an den Keyboards, Buzz Dee an der Gitarre, aktuell Sebastian Meyer - im Frühjahr noch ein Pothead – am Schlagzeug, Rajko Gohlke am Bass und zugeladener gelackter Jen Majura, ebenfalls an der Gitarre - verstörend und faszinierend zugleich.

 

Den fetten Schlusspunkt setzen die heutigen Gastgeber - In Extremo. Es ist mittlerweile schon weit nach 23 Uhr. Anton Strohofer, im dunklen Anzug, lässt es sich nicht nehmen, die Band persönlich anzukündigen.

 

Nebenbei bemerkt, hätte es auch dem Veranstalter des heutigen Konzertabends gut zu Gesicht gestanden, sich an geeigneter Stelle zu den Pannen des Nachmittags oder ganz allgemein zu den unübersehbaren Problemen beim Einlass zu äußern.

 

Mittelalter-Rock routiniert, souverän, musikalisch auf höchsten Niveau, bieten die „Extremisten“ bei einem ihrer Abschlusskonzerte der laufenden Tour. Das Jahr 2013 soll Tournee frei bleiben.

 

Die Begeisterung im Publikum entsprechend groß. Viele hatten sich mit einschlägigen T-Shirts schon zuvor als Fans der pyromanischen Cross-Over-Band geoutet. Neben dem klassischen Rockinstrumentarium kommen unter anderem Sackpfeife, Drehleier, Dudelsack und anderes außergewöhnliches Instrumentarium zum Einsatz. Ein gelungenes, gut neunzigminütiges, Finale einer hörenswerten und mittlerweile auch international durchaus erfolgreichen Band mit einem überzeugenden Frontmann Michael Robert Rhein (alias Das letzte Einhorn). Auch wenn er es vielleicht nicht hören mag – er erinnert mich an Campino von den Toten Hosen.

 

Ein langer Abend geht weit nach Mitternacht zu Ende. Das ursprünglich prognostizierte Glatteis blieb glücklicherweise aus. Der heutige Konzert-Overkill in Geiselwind hat den etwas betagten Zuschauer und Zuhörer schon nahe an die Erschöpfungsgrenze gebracht.

 

© Gerald Langer

IN EXTREMO | DIE SETLIST
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