Konzertbericht und Konzertfotos | 11. Juli 2012 | © Gerald Langer


Lang lebe der „Southern Rock“!

Gov't Mule begeistern im Nürnberger Löwensaal

GOV'T MULE | LOEWENSAAL NUERNBERG | 11-07-2012 | PHOTO: GERALD LANGER
GOV'T MULE | LOEWENSAAL NUERNBERG | 11-07-2012 | PHOTO: GERALD LANGER

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Nürnberg (music-on-net.com) Lediglich drei Konzerte in Deutschland geben Gov’t Mule im Rahmen der laufenden Europatournee. Eines davon im heute Abend sehr gut gefüllten Löwensaal, ganz in der Nähe des Tiergartens Nürnberg, wie der Name schon vermuten lässt.

 

Im Jahre 1994 wurde die Band von Gitarrist und Sänger Warren Haynes und Bassist Allen Woody gegründet. Beide waren zu diesem Zeitpunkt auch Mitglieder der legendären Allman Brothers Band, der sie nach einigen musikalisch flauen Jahren neuen Lebensgeist einhauchten. Dies führte verdientermaßen zur Aufnahme der Allmans in die Rock’n’Roll Hall Of Fame im Jahre 1995.

 

Mit Matt Abts am Schlagzeug konnten sich Gov’t Mule als Trio, damals vielleicht eher noch als Nebenprojekt gedacht, schnell in der Rockszene etablieren. Der frühe Tod des Bassisten Allen Woody im Jahr 2000 zog dann die erste Neubesetzung durch Andy Hess nach sich. Im Jahr 2003 stieg dann noch der Keyboarder Danny Louis ein, so dass sich das Trio zum Quartett erweiterte. Jorgen Carlsson, der dunkelhaarige Schwede, hat mittlerweile Andy Hess am Bass ersetzt. Reichlich Bewegung in einer Band und doch ein konstant hohes Niveau bei all den Plattenveröffentlichungen über mittlerweile achtzehn Jahre hinweg.

 

Die Allman Brothers Band existiert mehr oder weniger nur noch auf dem Papier, Warren Haynes wird zwar noch als Mitglied geführt, aber Konzerte gibt die Band letztlich keine mehr. Im vergangenen Jahr mussten die Allman Brothers ihre Tour – ausgerechnet in Deutschland - wegen starker gesundheitlicher Probleme von Greg Allman abbrechen. Und die einst ganz großen Grateful Dead sind nach dem Tod von Jerry Garcia alles andere als „still alive“.

 

Die Zukunft des Southern Rock gehört derzeit somit sicherlich Gov’t Mule mit Warren Haynes als eine ihrer Galionsfiguren, und vielleicht noch dem vergleichsweise jungen Derek Trucks mit Gattin Susan Tedeschi.

 

Die hohen Erwartungen des Publikums, dessen Durchschnittsalter irgendwo zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig vermutet werden darf, werden - wie sollte es anders sein – auch heute Abend im Löwensaal zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Perfektes Zusammenspiel der Band, kein Warren Haynes mit Begleitband, genügend Freiräume für Soli und eine durchweg prächtige Stimmung im Löwensaal mit dem Flair der späten 1950er Jahre.

 

Die verschiedenen Kooperationen mit zahllosen Gastmusikern, auf diversen Alben, unter anderem auf Deep End und Deepest End veröffentlicht, zahlen sich hier für die Aktivisten, aber genauso für das frenetisch Beifall klatschende Publikum voll aus. Wir erleben einen Abend mit einer bestens aufgelegten Band bei größter Spiellaune. Die langen, aber niemals langatmigen, Passagen des Jammings geben häufig Anlass zu begeisterten Zwischenapplaus.

 

Am Anfang steht ein famoses Cover von Maggot Brain der einstigen US-Band Funkadelic, am Ende The Hunter, geschrieben von Booker T. And The MGs und danach in unterschiedlichen Versionen von Led Zeppelin, von Paul Rodger’s Free und seit Jahren immer wieder eben auch von Gov’t Mule zelebriert. Dazwischen unter anderem ein so famoses Cortez The Killer, dass Neil Young und Crazy Horse, sollten sie heimlich mitgehört haben, dieses Stück aus ihrem ureigenen Repertoire streichen müssten.

 

„Some People Call Me A Space Cowboy“ singt Warren Haynes süffisant und Steve Miller zitierend, wohl wissend, dass er uns schon längst in das Rockuniversum katapultiert hat. Berührungsängste mit den unterschiedlichsten Spielarten der populären Musik sind Gov’t Mule völlig fremd. Reblow Your Mind wird mit einem leichten Reggae-Groove angereichert. Keine billigen Rockerposen auf der Bühne, sondern erkennbare Leidenschaft und Freude, die wir in den Gesichtern ablesen können. Matt Abts am Schlagzeug - ein Genuß. Er trommelt wahrlich virtuos und lässt dies völlig lässig und unangestrengt erscheinen. Alles in allem ein Abend, der mich wieder einmal spüren lässt, warum ich der Rockmusik seit mittlerweile vierzig Jahren verfallen bin. Leider vergehen 2 ½ Stunden reine Spielzeit wie im Flug. Kurz nach Mitternacht ist endgültig Schluss, auch der letzte noch so begeisterte Zuhörer muss dies schließlich akzeptieren.

 

Für alle Enthusiasten, aber auch für alle Neugierigen sei der Hinweis auf die Website von Gov’t Mule: http://www.mule.net/ erlaubt. Hier kann man den Live-Mitschnitt des Konzertes demnächst zu einem attraktiven Preis als Download ganz legal erwerben. Das passende Einlege-Cover steht selbstverständlich auch online zur Verfügung. Durch die Eigenvermarktung der Band im Internet kommen unsere finanziellen Beitragszahlungen dann auch dort an, wo sie hingehören - bei den Künstlern, die uns hoffentlich auch weiterhin so hervorragend unterhalten werden.

 

© Gerald Langer (11-07-2012)

 

 

Weitere Konzerte von Gov’t Mule in Deutschland:

 

14.07.2012 Winterbach – Salierhalle

19.07.2012 Isenhagen – Blues Garage

 

Website von Gov’t Mule: http://www.mule.net/

 

Setlist:

 

Set 1

 

Maggot Brain

Driving Rain

Gameface

Little Toy Brain

The Shape I’m In

Beautifully Broken

Silent Scream (Pt. 2)

Slackjaw Jezebel

 

 

Set 2

 

Rocking Horse

Cortez The Killer

Gordon James

Brighter Days >

Like Flies >

Drums >

Reblow Your Horn >

The Joker >

Reblow Your Horn

30 Days In the Hole

 

Encore

 

Child Of The Earth

The Hunter