Konzertbericht und Konzertfotos | 2. August 2013 | © Gerald Langer


Fatoumata Diawara’s Stern leuchtet weit über Würzburg hinaus

Der Weltmusik-Shooting-Star liefert ein fulminantes Konzert beim diesjährigen Hafensommer in Würzburg

© GERALD LANGER
FATOUMATA DIAWARA | HAFENSOMMER WUERZBURG | 02-08-2012

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Würzburg (music-on-net) Der westafrikanische Staat Mali ist seit 1960 von Frankreich unabhängig. Der Militärputsch im März dieses Jahres hat allerdings den laufenden Demokratisierungsprozess in einem der ärmsten Länder der Welt gestoppt. Das Auswärtige Amt warnt aktuell vor Reisen in die Region. Insofern ist die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe(DAHW) als ein eingetragener Verein mit Hauptsitz in Würzburg ein durchaus prädestinierter Sponsor des heutigen Konzertabends, bei dem allerdings unterm Strich die Fröhlichkeit Oberhand gewinnen soll.

 

Garant dafür ist Fatoumata Diawara, die zwar an der Elfenbeinküste geboren wurde, dann in Mali aufwuchs und heute – nach Flucht vor ihrer in Mali geplanten Zwangsverheiratung - in Paris lebt. Die 30-jährige Sängerin, Tänzerin, Gitarristin und Schauspielerin hat ihr Debutalbum Fatou und eine Band, mit der sie schon beim Africafestival 2010, damals noch auf der offenen Bühne aufgetreten ist, dabei. Schon damals konnte sie mich mit ihrem Auftritt begeistern.

 

Von der ersten Minute an hat sie das Publikum fest im Griff – es frisst ihr förmlich aus der Hand. Hat sie zu Beginn noch die E-Gitarre umhängen, macht sie sich im Laufe des neunzigminütigen Konzertes von all diesem Ballast immer mehr frei und tanzt geradezu ekstatisch über die Bühne, bis ihre vielen dünnen schwarzen Zöpfe allesamt vom Kopf abzustehen scheinen.

 

Die Band, brav in den Bühnenecken verteilt, dient und begleitet sie durch ihren „Was­sou­lou Folk“. Mit spielerischer Leichtigkeit sendet sie ihre Melodien in den Sommerabend am Alten Hafen. Im Mittelpunkt immer Fatoumata. Sie gleicht, wohl begründet in ihrem Geburtsland, tatsächlich einer Elfe mit einem Lächeln, das uns gefangen nimmt. Mit dem Musical Kirikou et Karaba und Fatoumata als Prinzessin Karaba begann bezeich-nenderweise auch ihre Gesangskarriere.

 

Die rhythmischen Lie­der trägt sie in Bam­bar­ra, in Malis wich­tigs­te Spra­che, vor. Verstehen können die meisten sie deshalb wohl nicht. Dafür gibt es hilfsweise ihre in Englisch gehaltenen Ansagen. Wenn wir ihr zuhören und in den Pausen zwischen den Stücken nicht vollends ihrer äußeren Ausstrahlung erlegen sind, können wir auch etwas über die Inhalte erfahren. Sie thematisiert nicht nur tradtionelle und emanzipatorische Probleme, Beschneidungen und Zwangsheiraten, sondern die Suche Malis nach einem Platz in einer friedlichen Welt.Ihr Mix aus Soul, Funk und Jazzrhythmenreißt uns von den Sitzen. Sie fordert zum Tanzen auf und nimmt gegen Ende ihres Auftrittes auch gerne Publikum mit auf die Bühne.

 

Man darf gespannt sein, wie sich ihre Karriere weiter entwickelt. Oft wird sie mit Norah Jones verglichen, die vor bald zehn Jahren den Jazz mit jugendlicher Leichtigkeit auch einem größeren Publikum zugänglich machte. Dieser Vergleich kommt nicht ganz von ungefähr, hat selbige nach ihrem Debutalbum bewusst mit Künstlern unterschiedlichster musikalischer Wurzeln zusammengearbeitet, um sich zum einen stilistisch weiterzuentwickeln und zum anderen nicht auf ein Genre allein festgelegt zu werden.

 

Den Grundstein für derartige Kooperationen hat Fatoumata Diawara bereits gelegt. Auf ihrem Erstlingswerk war unter anderem neben Toumani Diabate, Tony Allen eben auch jener John Paul Jones, der einstige Led Zeppelin Bassist, der vielen von uns aufgrund seines jüngsten und polarisierenden Auftrittes mit der Band Supersilent, ebenfalls beim diesjährigen Hafensommer Würzburg, noch in Erinnerung sein dürfte, vertreten. Dem Entwicklungsspielraum sind somit keinerlei Grenzen gesetzt – Off Limits !

 

Wir sind gespannt auf ihr nächstes Album und einen nächsten Auftritt, natürlich möglichst in Würzburg.

 

© Gerald Langer (02-08-2012)

 

Die Band:

 

Fatoumata Diawara (voc, g), Martin Greiner (g), Jean Alain Hony (b), Jean Baptiste Gbadoe (dr), Corinne Thuy Thy (voc)

 


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