Konzertbericht und Konzertfotos | 5. August 2012 | © Gerald Langer


Kurz, aber intensiv

Elektro-Swing mit Caravan Palace beim Hafensommer Würzburg

CARAVAN PALACE | HAFENSOMMER WUERZBURG | 05-08-2012 | © GERALD LANGER
CARAVAN PALACE | HAFENSOMMER WUERZBURG | 05-08-2012 | © GERALD LANGER

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Würzburg(music-on-net) Eigentlich war ich am Überlegen, ob ich den Sonntagabend nicht besser am heimischen Grill als beim Hafensommer in Würzburg verbringen sollte.

 

Das letzte Album „Panic“ von Caravan Palace lag am gestrigen Samstag zur Abholung bei der Würzburger Stadtbücherei bereit. Also gerade rechtzeitig, um noch einmal in den musikalischen Kosmos der offensichtlich schwer angesagten Band hineinzuhören. Das Cover zeigt ein verfremdetes Paris und auf der Spitze des vereinfacht dargestellten Eifelturms greift ein Roboter ähnliches Wesen, es war schon auf dem Cover des Debutalbums abgebildet, nach einem PANIC-UFO. Die CD liefert beim erstmaligen Hören durchaus passablen Swing mit Elektroeinschlag. Klingt nicht übel, aber von Begeisterung noch keine Spur. Irgendwie kommen mir jede Menge Woody-Allen-Filme in den Sinn. Ich mag seine Filme, aber muss man sich möglicherweise den Soundtrack dazu – ohne Film – ansehen oder besser anhören? Die Neugier gewinnt Oberhand, also mache ich mich auf zum Alten Hafen. Das Wetter scheint auch zu halten.

 

Die Sitzreihen an der Schwimmbühne füllen sich ab 19:30 erst zögerlich, aber dann flott. Viertel vor neun marschiert die Band über die Stufenanlage zur Bühne, verschwindet kurz hinter selbiger und taucht zum kurzen elektronischen Intro wieder auf der Bühne auf.Colotis Latoya Zoé, die Sängerin und Frontfrau schlechthin, erscheint mit kurzer zeitlicher Verzögerung ebenfalls wieder und legt eine wahrlich flotte Sohle auf’s Parkett. „Will you have a party tonight?“ – eine Frage, der auf der Bühne und im Publikum nur noch Taten folgen werden. Es wird getanzt – auf der Bühne und im Publikum. Colotis verschwindet zwischendurch, zieht sich backstage mehrfach um, singt im Publikum weiter. Es ist wirklich phänomenal – es ist live, temporeich und unglaublich mitreißend. Ein wahres Feuerwerk.

 

Mit ihrer Mischung aus Swing und Anleihen aus der Elektro- und Dancefloormusik von Daft Punk packen sie das Publikum, was die betonierte Hafenbühne in beängstigende Schwingungen versetzt. Man ist in Sorge, ob selbige für derartig dynamische Lasten überhaupt ausgelegt worden ist. Dass die Vibrationen nach etwas mehr als einer Stunde vorbei sein sollen, will zunächst niemand recht glauben.

 

Die lang anhaltenden Rufe nach Zugabe verhallen schließlich und werden dann vereinzelt durch verständliche Unmutsäußerungen ob der Länge des wirklich intensiven Konzerterlebnisses abgelöst. Mit zwei Alben hat man sicherlich kein unendliches Repertoire, aus dem man schöpfen kann, aber einiges mehr wäre heute Abend sicherlich noch möglich gewesen. Der Hype um diese Band kommt nicht von ungefähr. Aber mit der doch etwas sturen Haltung am Schluss haben sie möglicherweise wertvolles Porzellan bei dem einen oder anderen neu hinzu gekommenen Fan zerschlagen. Schade eigentlich! Andererseits: Die bärtigen Texasrocker von ZZ Top waren einst auch berühmt für ultrakurze Konzerte, ihre Fans haben es ihnen jedes Mal nachgesehen.

 

© Gerald Langer (05-08-2012)

 

Setlist:

 

Je m’amuse – Maniac – Suzy – Bambous – 12 juin 3049– Glory – Clash – Panic – Rock it for me - Chocolate – The dirty side of the street – Brotherswing – Star Scat – Jolie Coquine

 

Die Band:

 

Charles Delaporte (Bass, Programmierung) - Arnaud Vial (Gitarre, Programmierung), Hugues Payen (Violine, Scat-Gesang, Programmierung) - Colotis Zoé (Gesang) - Toustou (Trombone, Elektronik) - Chapi (Klarinette).

 

Website der Band: http://www.caravanpalace.com/


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