Konzertbericht und Konzertfotos | 2. Februar 2012 | © Gerald Langer


Bosse und P:lot ermuntern zum Zuhören

Ein Rockkonzert zum genaueren Hinhören am 02.02.2012 in der Würzburger Posthalle

Bosse Live in der Würzburger Posthalle am 02.02.2012 © Gerald Langer
Bosse Live in der Würzburger Posthalle am 02.02.2012 © Gerald Langer

Würzburg (music-on-net.com) Über lange Jahre hinweg hat sich bei uns eine Szene deutschsprachiger Singer-/Songwriter und Bands entwickelt, die zu faszinieren weiß und in diesem Falle die - überwiegend jungen - Zuhörer in der Posthalle von Beginn an in ihren Bann schlägt. Es sind Musiker, die nicht einfach nur in deutscher Muttersprache singen, sondern Texte schreiben, die sich inhaltlich mit Lebensgefühlen, wie sie die allermeisten von uns kennen, auseinandersetzen und dabei das Publikum ohne Betroffenheitsfloskeln in ihren Bann ziehen.

 

So ist die von Axel Bosse persönlich angekündigte und mehrfach ans Herz gelegte Kölner Band P:lot heute mehr als bloße Unterstützung. Das Trio aus Andreas Kaufmann (Bass, Gesang, Synthie), Alexander Freund (Gesang, Gitarre, Tasten) und Benjamin Argandona (Schlagzeug/Percussions) bestreitet ein gut halbstündiges Set mit Liedern aus der eigenen Feder. Das neue Album „Zuhören“ wird mit dem Titelsong vorgestellt.

 

Textauszug:

 

Ich glaube an die Seele

Glaub daran dass sich das Gute lohnt

dabei sprech ich nicht von, Gott keinem Gesetz und nicht von Religion

Ich meine das Gefühl

Das jeder von uns hat

Das niemals fehlt, immer weiß, alles kann und alles sagt

 

Wir müssen nur zuhören

 

 

Und: das Publikum ist bereit zum Zuhören. Dies muss ich selbst – leicht schuldbewusst – erfahren, als mir eine junge Dame steckt, dass sie dem Alex zuhören möchte, der gerade seine Ansage machte und unter anderem von seiner „Ex“ aus Würzburg berichtete. Ich war gerade in ein mir – insgesamt zwar leise erscheinendes - Gespräch mit einem ebenfalls schon etwas ergrauten Kollegen verwickelt. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für diese Unaufmerksamkeit entschuldigen.

 

Kurze Umbaupause, dann betreten Bosse, die Band um Axel (Aki) Bosse, die gut temperierte und vorbereitete Bühne. Unterstützt von Björn Krüger (Schlagzeug), Thorsten Sala (Gitarre), Theofilos Fotiades (Bass) und Stefan Leon Lenkeit (Keyboards) stehen fünf musikalische Freunde auf der Bühne. Ob sie wirklich so wenig außerhalb der Bühne zusammen proben, wie Bosse vor gibt, mag dahin gestellt sein. Die Burschen sind heute abend live allemal überzeugend.

 

Mit Metropole beginnt ihr gut hundertminütiger Auftritt. Die Band rockt von Anfang an, Bosse schon bald durchgeschwitzt, verlässt bereits bei 3 Millionen die Bühne und begibt sich unter das begeisterte Publikum. Ausmachen kann man ihn dort nicht so leicht – kleiner Mann, in diesem Fall jedoch ganz groß. Unterbrochen wird das Set von sehr persönlichen Ansagen, die immer wieder zum Ausdruck bringen, dass Axel Bosse derzeit - nach längerer Suche - mit sich im Reinen ist.

 

Eine Kehlkopfentzündung hatte unter anderem auch seinen Auftritt in Würzburg im Herbst letzten Jahres verhindert. Die Erkrankung dürfte er überstanden haben, auch wenn hin und wieder ein Räuspern und Nachhusten – hoffentlich nur Erkältungsbedingt – zu vernehmen ist.

 

Wenn wir schlafen – ein Erinnerungsstück aus seinen ersten Jahren in Berlin, als er , die Braunschweiger Heimat hinter sich gelassen, noch um die Häuser der Metropole zog, den Tag-Nachtrhythmus zwar beibehielt, aber seine Aktivitäten eben überwiegend nachts stattfanden, der Tag verschlafen wurde.

 

Die Zeiten seiner Ex-Band „Hyperchild“ sind vergessen. Mit mittlerweile vier Studioalben (Kamikazeherz – Guten Morgen Spinner - Taxi – Wartesaal) verfügt Bosse über ein Repertoire, das am heutigen Abend nicht eine Minute Langeweile aufkommen lässt. Er kann laut und leise, räumt seiner Band entsprechend viel Raum ein. Frankfurt/Oder allerdings heute nicht im Duett mit Anna Loos von Silly. Dennoch bleibt es ein ganz großartiges Stück.

 

„Es macht soviel Spaß – Dankeschön“ so sein Ausspruch kurz vor Beginn des Zugabensets. Dem Publikum geht es heute Abend sicherlich nicht anders. So kann ein kalter Winterabend bei ausgesprochenen Minusgraden auch in der großräumigen Würzburger Posthalle durchaus Körper und Geist erwärmen.

 

Wir müssen – eben - nur zuhören………..

 

Setlist Bosse:

 

Metropole – Liebe ist leise – 3 Millionen – Roboterbeine – Die Nacht – Sommer lang – Wartesaal – Augen schliessen – Wenn wir schlafen – die Irritierten (unplugged) – Du federst – Alter Strand – Frankfurt Oder Zugaben: Yipi – Weit weg – Tanz mit mir – Die Wende der Zeit

 

 

© Gerald Langer (02-02-2012)

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