Konzertbericht und Konzertfotos | 2. November 2012 | © Gerald Langer


Voll krass - Bonaparte und Tim Fite sind am Freitagabend gar nicht artig

Ein wirklich grelles Musikspektakel in der Würzburger Posthalle

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Würzburg (music-on-net) Musik ist eben nicht immer nur Musik, schon gar nicht heute Abend. Tim Fite, in New Jersey aufgewachsen und eher auf den kleineren Bühnen zu Hause, eröffnet mit einer Partie, die erst einmal leicht verstörend wirkt.

 

Er hampelt auf der Bühne umeinander als wäre er ein absolut hilfloser, dabei völlig überforderter Bühnenarbeiter. Dabei ist er doch nur ein perfekter Blender. Alles Show, alles Clownerie, alles Sampling, alles geklaut und neu zusammen gesetzt? Jawohl!

 

Er arbeitet ohne Band (sprich: bænd), dennoch kommt alles vom Band. Im Hintergrund - auf große Leinwand projiziert - seine grelle Comic-Art. Mit dem Publikum schäkert er, betreibt holprige Deutsch-Englisch-Crash-Trash-Sprachkurse und dekliniert dabei Four-Letter-Words.

 

Eingeschaltet ist auch Sexy Leroy via satellite, sein Alter Ego. Wir sehen unter anderem auch seine Dog And The Pony Show. Und im Hintergrund auch immer wieder seine Band, die bei genauerer Betrachtung eigentlich nur aus ihm besteht.

 

Burn It Down und Waving With Leroy - winke, winke.

 

Tim‘s Show ist nach einer knappen halben Stunde vorbei. Er war mehr als nur der Pausenclown. Er hat zumindest die vorderen Publikumsreihen mehr begeistert als irritiert. Empfohlen sei der Blick auf seine Website tim fite dot com. Sie zeigt einen umtriebigen, von seiner Kunst regelrecht durchsetzten, jungen Amerikaner Anfang Dreißig, der bei weitem nicht nur Singer- und Songwriter ist.

 

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Die Attraktion des heutigen Abends sind allerdings Bonaparte, der Musikzirkus aus der Bundeshauptstadt. Zirkusdirektor Tobias Jundt dirigiert das Musiker- und Tänzerkollektiv seit nunmehr sechs Jahren. Er selbst ist Schweizer, dabei alles andere als humorlos. Mit Emil Steinberger, seinem Landsmann und Kabarettisten von trockenem, fast sprödem, Heiterkeit verbindet ihn nichts, aber auch gar nichts. Auf der Bühne wirkt er eher wie ein schräger Captain Jack Sparrow im Fluch der Karibik. Vielleicht ist es auch nur sein schwarz umrandetes rechtes Auge. Gewollte Assoziationen allenthalben.

 

Bei Bonaparte wird richtig auf die Torte gehauen. Sie sind grell und von beeindruckender Bühnenpräsenz. Es ist ein einziges Kommen und Gehen der Tänzerinnen - Entourage. Heute werden nahezu hemmungslos alle Fantasien - kostümiert und fast unkostümiert - auf der Bühne ausgelebt.

 

Das Gesamtkunstwerk Bonaparte wirkt als hätte man den Pürierstab in die Rocky Horror Picture Show, in die frühen Bühnenauftritte der Tubes hineingehalten und das fast fertige Gericht anschließend bei hoher Temperatur unter Zusatz von postbarocken Operetten garen lassen.

 

Die Genres werden überlagert und verschmelzen miteinander. Alles mit Brisanz und mit hoher Rasanz, gerne auch mal an den Grenzen des sogenannten guten Geschmacks vorbei. Es ist dabei mehr als nur Dr. Jekyll trifft Mr. Hyde und das alljährliche Halloween, kein bloßer Klamauk.

 

Gesungen wird zwar multilingual auf deutsch, englisch und französisch. Dies ist allerdings zweitrangig, wenn - wie heute - die Kommunikation mit dem Publikum ohnehin funktioniert.

 

Über einhundert Minuten dauert das Trash-Spektakel. Das überwiegend junge Publikum, vereinzelt auch in elterlicher Begleitung, kann nicht genug bekommen. Es ist geradezu unersättlich und dem grotesken und bisweilen erotisierenden Bilder- und Punk-Rock-Rausch verfallen.

 

Sehr krasse Unterhaltung, aber dabei durchweg faszinierend.

 

© Gerald Langer (02-11-2012)

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