Konzertbericht und Konzertfotos | 22-06-2012 | © Gerald Langer


25 Jahre Umsonst & Draussen in Würzburg

Ein buntes Programm auch im Jubiläumsjahr

KELLERKOMMANDO | U & D WUERZBURG | 21-06-2012 | PHOTO: GERALD LANGER
KELLERKOMMANDO | U & D WUERZBURG | 21-06-2012 | PHOTO: GERALD LANGER

Würzburg (music-on-net.com) Vier abwechslungsreiche Tage Musik, kleine und ganz große Kunst, liegen hinter mir. Viele Stunden habe ich auf dem Festivalgelände am Main verbracht, vorzugsweise an der Draussen-Bühne, der Drinnen-Bühne und im Kinderkulturzelt. Wunderbare Eindrücke gesammelt und selbige mit anderen Musikbegeisterten ausgetauscht. Nach anfänglicher Rat- und Rastlosigkeit ob des immensen Angebotes habe ich nach und nach mein Tempo und den für mich passenden Rhythmus gefunden. Alles kann man weder ansehen noch anhören, man muss wählen. Manchmal aufgrund eingeholter Vorinformationen, das eine oder andere mal ganz einfach aus dem Bauch heraus. Insofern trägt ein jeder Besucher spätestens seit Sonntagabend sein ganz individuelles U & D 2012 - Würzburg – Gefühl mit sich herum. Auch für mich gab es somit besondere persönliche Highlights, die ich kurz benennen möchte:

 

Soneros de Verdad waren unübersehbar und unüberhörbar ein solches Glanzlicht. Luis Frank, Sänger und musikalischer Leiter von Soneros de Verdad, hat bereits mit Compay Segundo vom Buena Vista Social Club zusammen gearbeitet. Darüber hinaus kollaborierte er mit Wim Wenders an dessen Soundtrack „Musica Cubana“. Das Wetter am Donnerstagabend hat es allerdings nicht allzu gut mit seiner Band gemeint. Um 23:45 wurde das Konzert jäh aufgrund einer Unwettervorhersage mit Sturmwarnung abgebrochen. Sicherheit sticht den Groove der kubanischen Rumba. Luis Frank war zunächst auch etwas ungehalten und ratlos, hatte er doch den Hintergrund des plötzlichen Stopps nicht gleich verstanden. Einsehen mussten auch wir Zuhörer, dass das Festivalgelände trotz und vor allem wegen des stürmischen Regens schnellstens zu räumen war. Meine Heimfahrt mit dem Zweirad war dann auch alles andere als erquicklich. Dafür ist sie unvergesslich.

 

The Leadbelly Project am späten Freitagabend auf der Drinnen-Bühne – das Viertelfinale Deutschland – Griechenland war gerade vorbei - hatten es mir sofort angetan. Drei Herren mittleren Alters zelebrierten den Blues von Huddie Ledbetter mit einer derartigen Hingabe und großem Mut zur Improvisation („music for open minds“), dass ich dort auch den zweiten Konzerttag außerordentlich zufrieden abschließen wollte. Auf dem Rückweg zur Friedensbrücke spielte noch Max Prosa. Wenige Minuten war er noch auf der Bühne, lang genug um mir kurzzeitig das Gefühl zu geben, etwas versäumt zu haben. Natürlich habe ich den Auftritt von Max Prosa größtenteils verpasst, aber dafür schöne Minuten mit Leadbelly verbracht. Meine Frau wollte ursprünglich auch zum Leadbelly Project, blieb aber im Kinderkulturzelt bei Lilly Among Thorns „hängen“ und erzählte begeistert von der jungen Sängerin aus Würzburg. So ist das eben, wenn das Angebot groß und vor allem auch noch gut ist.

 

Am Samstag habe ich eine kleine Auszeit vom U & D Würzburg genommen. War deshalb nur am Nachmittag auf dem Gelände unterwegs. Dabei setzten besonders Granville aus Würzburgs Partnerstadt Caen einen unerwarteten akustischen und optischen Akzent. Schaut die Bilder an – ich sage nur „In den Schuhen von Audrey Hepburn“. An diesem Tag habe ich auf jeden Fall Cäthe, Tallulah Rendall und Holmes versäumt.

 

Der Sonntag war dann allerdings alles andere als ein Ruhetag. Viele herausragende Künstler an allen Spielorten. Das Rehan Seyd Ensemble aus Würzburg läutete für mich ein furioses Finale des Festivals ein. Mit dem aktuellen Programm "Merci À Django" bot das Quartett feinsten Gypsy Jazz und füllte das Zelt zusehends. Die Spielfreude war nicht nur zu hören, man sah sie ihren Gesichtern an. Mit der Steve Roscoe Band auf der Draussen-Bühne wurde es bluesiger und rockiger. Steve Roscoe entwickelte auf der Bühne eine Energie, wie man sie vom jungen Roger Chapman kennt. Knappe vierzig Minuten Auftritt eines U & D – Urgesteins. Höchste Intensitätsstufe und entsprechend ausgelassene Stimmung im Publikum.

 

Ein Konzert der ganz besonderen Sorte hätte ich beinahe übersehen – danke an Achim Gössl, der mich gerade noch rechtzeitig auf die Attraktion Déjá Vu aufmerksam machte. „U & D-Papa“ Hartmut Emser stellte mit Carola Thieme (voc), Jochen Volpert (git), Achim Gössl (key) und Georg Kolb (b) eine Basisband, die immer wieder wechselnd besetzt und umbesetzt wurde. Moderiert wurde der musikalische Reigen von Karl Georg Rötter derartig plastisch, dass die informative und gänzlich gelungene Plakatausstellung „Popmusik in Würzburg von 1950 bis heute“ sehr lebendig wurde. Unvergessliche Momente, viele Fotografien und selbige demnächst hier auch online für Interessierte.

 

Zu guter Letzt spielten die Ex- Würzburger und mittlerweile Wahl-Berliner Carolin No, nicht wie vorgesehen auf der Draussen-Bühne, sondern aufgrund des Wetterumschwunges im sogenannten & - Zelt. Für mich die erste Begegnung mit den „Klangpoeten“, aber auf jeden Fall eine sehr intensive. Verbrachte das wunderbare Konzert im nicht vorhandenen Fotograben mehr am Boden liegend als dort sitzend. Schön war’s dennoch. Bin sehr froh, dass ich dieses Duo endlich einmal im Konzert erleben konnte.

 

Das war meine ganz persönliche Auswahl. Doch das U & D - Festival Würzburg bot wesentlich mehr Wahlmöglichkeiten. Jeder wird sein Programm entsprechend gestaltet haben oder sich spontan in das eine oder andere musikalische Set begeben haben. Jeder Besucher wird auch die Musik anders bewerten. Dass viel Schönes möglicherweise bei mir unerwähnt bleibt, möge man mir deshalb nachsehen.

 

Die Plakatausstellung „Popmusik in Würzburg von 1950 bis heute“ gibt es hoffentlich nochmals zu sehen. Schön wäre es, wenn sie auch im Internet verfügbar gemacht würde. Hatte nicht die Zeit und die Ruhe, mir diese in der gebotenen Aufmerksamkeit anzusehen. Pech? Hoffentlich nicht!

 

© Gerald Langer (24-06-2012)


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