Konzertbericht und Konzertfotos | 28. Mai 2012 | © Gerald Langer


24. Africa Festival - Der Montag

Ein Festivaltag im Zeichen des Reggae

STEPHEN MARLEY'S GITARRE | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG | © GERALD LANGER
STEPHEN MARLEY'S GITARRE | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG | © GERALD LANGER

Würzburg (music-on-net.com) - Der musikalische Marathon geht zu Ende. Das Wetter soll, obwohl einige dunkle Wolken aufziehen, auch am letzten Festivaltag halten.

 

Auf der Offenen Bühne eröffnet Wally Warning von der kleinen karibischen Insel Aruba. Seit vielen Jahren lebt Wally allerdings in München. Sein einnehmendes Lächeln, sein Gesang und seine Fertigkeiten an der Gitarre sorgen für einen fröhlichen Auftakt. Calypso, Reggae, Soul und Rock mixt er spielerisch zusammen. Irgendwie suggeriert seine Musik die Themen Urlaub, Strand, und Meer, aber ohne dabei in ein belangloses Dahinplätschern abzudriften. Sein musikalischer Cocktail, den er mit seiner Band aufbereitet, kommt beim Publikum bestens an. Bei „Ain’t No Sunshine“ reißt der Himmel über Würzburg auf und die Sonne schaut wieder hindurch, meint es also gut mit dem diesjährigen Africa Festival.

 

Leo’s Den sind „die“ Reggaeband aus Würzburg, somit auch unsere Lokalmatadoren. Seit zwanzig Jahren sind sie in wechselnder Besetzung in Sachen „deutscher Roots-Reggae“ unterwegs. Viele Freunde sind heute mit dabei, die ihre Karriere schon lange mitverfolgen. Spaß haben sie noch immer und ein deutscher Reggae-Text ist jedenfalls bei weitem leichter verständlich als die ansonsten überwiegend englischsprachigen. Die CD- und T-Shirt-Verkäufe, die über „Familienmitglieder“ abgewickelt werden, lassen jedenfalls eine deutliche Erweiterung der Hörerschaft „unserer Reggaeband“ vermuten.

 

Aurelio & The Garifuna Soul Band setzen aus meiner Sicht eindeutig das Glanzlicht auf der heutigen Offenen Bühne. Professionell und locker präsentiert Aurelio Garifuna-Musik mit einem gehörigen Schuss Blues und Rock. Treibende westafrikanische Percussion vermischt sich mit den fröhlichen Klängen der Karibik, und auch der Reggae schimmert gelegentlich noch hindurch. Ganz nebenbei ist Aurelio auch noch Abgeordneter im Parlament von Honduras. Und selbstverständlich lebt er auch in Honduras. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Musik so authentisch wirkt.

 

Mit der aktuellen Bandbesetzung

 

Aurelio Martinez: vocals / guitar

Onan Castillo Fernandez: lead garifuna drum

Angel Aparicio Bernardez Martinez: garifuna drum / vocals

Rolando Sosa Martinez: garifuna percussion / vocals

Carlos Castillo Solorzano: bass / vocals

 

hat er auch sein aktuelles Album „Laru Beya“ eingespielt. Gaststar unter anderem: Youssou N’Dour, mittlerweile auch er politisch aktiv. Auch diesbezüglich sind Aurelio und Youssou Seelenverwandte.

 

Einmal mehr zeigt sich, dass die Offene Bühne musikalisch nicht die zweite Wahl ist, sondern Schätze zu Tage fördert, die unsere Erwartungen weit, ja sehr weit übertreffen. Vor zwei Jahren war Fatoumata Diawara hier aufgetreten, am 02. August 2012 ist sie ein musikalischer Headliner beim Würzburger Hafensommer.

 

Der letzte Vorhang auf der Offenen Bühne fällt kurz nach 19:00.

 

Nun steht noch das letzte Abendprogramm im Zelt an.

 

Sebastian Sturm und seine Band Exile Airline erobern dort die Bühne wahrlich im Sturm.

 

„Get Up And Get Going“ – der Titel seines aktuellen Albums – lautet das Motto, eine kleine Anspielung auf Bob Marley’s „Get Up, Stand Up“.

 

Das Set funktioniert prächtig. Der 32-jährige Sebastian ist mit der richtigen „Reggaestimme“ ausgestattet. Sein Äußeres suggeriert zwar eine Herkunft aus Jamaika, die Wirklichkeit sieht anders aus. Geboren wurde er nämlich als Sohn einer indonesischen Mutter und eines deutschen Vaters. Aufgewachsen ist er im Dreiländerdreieck von Holland, Belgien und Deutschland. Zunächst tobte er sich in einer Punkband aus, bevor er in Dancehalls auftrat und seine Affinität zum Reggae entdeckte. Heute stellt er sein neues Album vor, das eine enorme Bandbreite zeigt. Welche Vielfalt wird möglich, wenn man die Endlosschleife, besser den typischen Grundrhythmus des Reggae, wenigstens kurzzeitig verlässt. Das Keyboardspiel von Danger Dan ist wichtig, um kleinere Exkurse in den Bereich der Rockmusik vorzubereiten, die von den beiden Gitarristen und dem Bassisten nur zu gerne fortgeführt werden. Die Bühne scheint zu explodieren, was auch lichttechnisch entsprechend dramatisch untermalt wird.

 

Sebastian Sturm’s gebotener „Cross-Over-Stil“ hat auf die Hörer, die dem Reggae nicht unbedingt gnadenlos verfallen sind, die Wirkung eines Aperitifs für den sich anschließenden Roots-Reggae von Stephen Marley.

 

Als Sohn von Bob und Rita Marley macht auch er, neben Ziggy Marley, eine beachtliche Solokarriere. Acht Grammy-Auszeichnungen als Musiker und Produzent hat er bereits eingeheimst. Heute stellt er sein neues Album „Revelation Part 1: The Root of Life“ vor.

 

„The Lion Roars Tonight“ – Der Löwe brüllt heute Nacht – so schreibt Stephen Marley vor dem Konzert in Amsterdam im allseits bekannten sozialen Netzwerk. So passiert's denn auch in der Mainfrankenmetropole.

 

Zu Beginn der Show wird die Äthiopische Flagge hereingetragen, die zunächst am Bühnenrand hängen bleibt, bis sie im Konzert symbolträchtig über die ersten Publikumsreihen geschwenkt wird. Die Farben der Rastafari-Bewegung sind schließlich Rot, Gelb (Gold) und Grün. Die rechte geballte Faust hat Stephen entschlossen und beschwörend nach oben gestreckt.

 

Der 40-Jährige präsentiert sich ansonsten als Sänger und Gitarrist, der sich etwas schwerfällig über die weite Bühne bewegt. Dafür bewegen sich allerdings die Zuschauer umso mehr. Ein Highlight seiner Show für mich das mit einer Sängerin seiner Touring Band vorgetragene Duett.

 

Die Band spielt laut, der fette Bass ist auch im Bauch spürbar. Der Funke zum Publikum war von der ersten Minute an übergesprungen. Volle Interaktion mit der johlenden Menge, die sich wie im kollektiven Rauschzustand im Rund der Arena bewegt. Alles erreicht, Mister Marley. „Everything’s Gonna Be Alright“ von Übervater Bob Marley, „No Cigarette“ und auch der „Redemption Song“. Auch "Could You Be Loved“ ist dabei. Als Zugabe dann "One Love", in rot-gold-grüner Jacke vorgetragen. Nach neunzig Minuten ist definitiv Schluß, auch wenn das Publikum es nicht wahr haben will. Jeder Traum hört irgendwann auf.

 

"Stephen, du hattest definitiv keine andere Wahl. Du hast den Reggae im Blut. Die Besucher wollen vielleicht noch immer deinen Vater sehen. Aber deine Stimme kommt seiner in manchen Momenten schon sehr nah." Es ist wahrlich schwer, aus dem Schatten des großen Rastaman Bob Marley herauszutreten. Vor allem beim Reggae.

 

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Africa Festival – Das Original - ein kurzes Resumee:

 

Bestes Festivalwetter und ein musikalisch sehr attraktives Angebot lockten die vergangenen vier Tage ungefähr 100.000 Besucher auf die Mainwiesen. Es kam glücklicherweise zu keinerlei nennenswerten Zwischenfällen. Insofern war es auch wieder ein sehr friedliches Festival.

 

Über 300 Helfer waren im Einsatz, damit dieses Fest gelingen konnte. Die Modenschauen, als solches überhaupt ein Novum, mit Entwürfen von Madame Rama Diaw N’Deye waren dabei ein sehr großer Erfolg. Nicht zuletzt hat sich dort auch Angelique Kidjo neu eingekleidet.

 

Der öffentlich-rechtliche Spartensender ARTE hat im vierten Jahr die Konzerte aufgezeichnet. Die Konzerte des Festivals aus dem Jahr 2011 wurden beispielsweise innerhalb eines Jahres 100.000 Mal aufgerufen. Dies zeigt, dass ein sehr großes Interesse auch an Webstreams besteht. Nicht jeder Interessierte hat schließlich Tickets bei den meist ausverkauften Konzerten erhalten können. Und mancher Konzertgänger mag gerne das Konzert nochmals als perfekte Aufzeichnung sehen.

 

Am 21. Juli 2012 überträgt ARTE einen Zusammenschnitt des diesjährigen Festivals.

 

Bedauerlich aus der Sicht vieler Festivalbesucher war, dass es in diesem Jahr keinen offiziellen Verkaufsstand für Tonträger gab. Jedem Künstler war sein Merchandising somit selbst überlassen. Vor dem Hintergrund, dass es sich im Regelfall beim Africa Festival eben um keine Verköstigung mit zwingend radiotauglicher Musik handelt, welche überall käuflich zu erwerben ist, wirklich schade. Für viele stellt eine dort erworbene CD oder LP eine schöne akustische Erinnerung dar.

 

Das 25. Africa Festival, damit auch ein Jubiläumsfestival, wird in der Zeit vom 30. Mai bis 02. Juni 2012 stattfinden. Bezüglich der dort vertretenen Künstler können allerdings derzeit noch keine Angaben gemacht werden.

 

Zum zwanzigjährigen Jubiläum gab es bereits eine Publikumsbefragung im Vorfeld des Festivals, welcher Künstler nach Möglichkeit in Würzburg auftreten solle. Ich weiß schon jetzt, was ich mir diesbezüglich wünsche.

 

© Gerald Langer (28-05-2012)

 


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