Konzertbericht und Konzertfotos | 26. Mai 2012 | © Gerald Langer


24. Africa Festival - Der Samstag

Jede Menge musikalische Sensationen auf der Offenen Bühne und im Abendprogramm

ANGELIQUE KIDJO | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG | PHOTO: GERALD LANGER
ANGELIQUE KIDJO | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG | PHOTO: GERALD LANGER

Würzburg (music-on-net.com) Der erste Tag des Africa Festivals hatte bereits verheißungsvoll begonnen. Der Samstag sollte ihm keineswegs qualitativ nachstehen. Das Wetter ist für einen Festivaltag geradezu ideal. Sonnig, warm aber auch immer noch geht ein Lüftchen. Wichtig, um einen Konzertmarathon zu bestehen.

 

Auf der Offenen Bühne startet pünktlich um 13:30 das Kora Jazz Trio, was sich spontan zum Quartett erweitert und das Publikum sehr schnell in seinen Bann schlägt. Spielfreude pur mit gelegentlichen Tanzeinlagen und (Ein-)griffen in das Repertoire anderer Künstler. Der Jazz schafft die Freiräume, die der geradezu schelmisch blickende Pianist Abdoulaye Diabate aufbereitet und in die sich Perkussionist Moussa Cisoko und der versierte Kora-Spieler Djeli Moussa Diawara hineinfallen lassen können. Ein junger Schlagzeuger ergänzt das Trio bei einigen Stücken zum Quartett und dabei auch das musikalische Spektrum. Eine Höhepunkt ihres Auftrittes - die Interpretation von Santana's Oye Como Va. Durchgehend großartige Stimmung bei ihrem neunzigminütigen Konzert.

 

Das musikalische Niveau ist schon extrem hoch und wir sind umso mehr gespannt auf den ehemaligen Würzburger Roman Bunka & The Shamandura Project.

 

Das Projekt ist neu, auch wenn sich die Musiker schon einige Zeit kennen. Viel Zeit zum gemeinsamen Proben gab es nicht - lediglich der gestrige Freitag. Dem Auftritt merkt an dies allerdings keineswegs an. Das von Roman Bunka, dem Oud-Virtuosen angestoßene gemeinsame Projekt mit dem Meistertrommler Rhani Krija aus Marokko, Lassad Hosni aus Tunesien, sowie dem Saxophonisten Roland Schäffer funktioniert hervorragend. Wir werden entführt in "1001 Nacht-Variationen", "Egypt Eyes" und in den Sudan. Musik zum Träumen und zum Staunen. Die Blickkontakte der Akteure untereinander lassen uns spüren, dass hier Livemusik vor den Augen der Zuschauer entsteht. Spätere Fragen nach Tonträgern laufen ins Leere. Hier gibt es noch keine Tonkonserven. Wir dürfen aber noch hoffen, dass sie folgen werden. Beginnen sollten sie am besten gleich mit einem Livemitschnitt.

 

Sia Tolno wird als neue Stimme Guineas und als größte musikalische Neuentdeckung Afrikas mittlerweile auch auf großen Bühnen gefeiert. Vergleiche mit Nina Simone, Miriam Makeba und Tina Turner werden bemüht. Allesamt große Namen. Und Sia Tolno hat auch eine fantastische Stimme, musikalisch kann sie - zumindest mich - allerdings nicht so recht überzeugen. Es ist gute funkige, zum Teil auch vom Reggae beeinflusste Musik, die sie mit körperlicher Präsenz und voller Stimme unterstreicht. Die Band auch tadellos, aber in der Konstellation vielleicht schon allzu sehr um weiteren internationalen Erfolg und Eingängigkeit bemüht.

 

Das Abendprogramm gehört heute den Frauen.

 

Y'Akoto, Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen ist musikalische Globetrotterin. Von ihrem Respekt und ihrer Prägung durch die Musik von Angelique Kidjo macht sie keinen Hehl. Die wenigsten Konzertbesucher dürften bisher irgendetwas von Y'Akoto gehört haben. Mir ging es ebenso. Ihr Auftritt - eine Überraschung. Nach einem etwas langatmig anmutenden Jazz-Intro betritt die gerade einmal 23-Jährige die Bühne und verzaubert das Publikum. Ihre wechselnden deutschen, englischen und französichen Ansagen sind Ausdruck ihrer multikulturellen Heimat. Zuerst noch auf hochhakigen Schuhen die Bühne und den darauf ausgebreiteten Teppich betretend, liefert sie barfuß eine zwar kurze, aber umso mehr intensive Show. "Talk To Me" und Songs über junge, von ihrem "Kerl" verlassene Frauen haben sicherlich autobiografische Züge. Im Mittelpunkt steht allerdings die Musik, hier stark vom Jazz geprägt, den die Band überzeugend präsentiert und ihre ausdrucksstarke Stimme. Dass sich Y'akoto dabei traumwandlerisch, zum Teil regelrecht ekstatisch, über die Bühne bewegt, macht ihren knapp siebzigminütigen Auftritt unvergesslich. Die in der Pause angebotene neue und einzige CD "Babyblues" ist schnell vergriffen. Y'Akoto ist offensichtlich von ihrem Erfolg selbst etwas überrascht.

 

Angelique Kidjo gehört mittlerweile fast zur Stammbesetzung des Africa Festivals. Das Besondere diesmal ist allerdings das musikalische Programm - eine Homage an die im Jahr 2006 zuletzt beim Africa Festival aufgetretene Miriam Makeba. Um es gleich vorweg zu nehmen. Angelique Kidjo gelingt dieses Unternehmen, das Publikum liegt ihr vom ersten Moment an zu Füssen. Mit Kopftuch verhüllt betritt Kidjo die Bühne, um selbiges nach nur wenigen Takten Musik im wahrsten Sinne des Wortes in die Bühnenecke zu werfen. Es gilt nicht die Maxime der bloßen Imitation, sondern der Neuinterpretation des mächtigen Werkes der großen Miriam Makeba - "celebration of her beautiful soul". Lobenswert, dass sich Kidjo nicht permanent in den Mittelpunkt der fast zweistündigen Show stellt, sondern genügend Raum lässt für ihre weiteren Gäste - Vusi Mahlasela und drei Mitgliedern der Makeba-Band. Der zwischenzeitliche Ausritt Kidjo's durch das Publikum ist dramaturgisch perfekt gesetzt, war schließlich durch die Zeltsprecherin quasi schon angekündigt, ist eine kleine Herausforderung für die Security. Das Publikum in der ersten Reihe ist jedenfalls hoch erfreut, dem Weltstar in die Hände klatschen zu dürfen.

 

In der Schlussphase des Konzertes stehen neben Kidjo auch noch Y'Akoto und Sia Tolno mit auf der Bühne, die mich persönlich bei diesem kurzen Auftritt weit mehr überzeugt als nachmittags noch auf der Offenen Bühne.

 

Ein großartiger Abend, der zumindest meine Erwartungen weit übertroffen hat, geht zu Ende. Die Nacht ist mild, die Füsse müde. Morgen mehr.

 

© Gerald Langer (26-05-2012)


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