Konzertbericht und Konzertfotos | 25. Mai 2012 | © Gerald Langer


Wieder einmal ist Afrika zu Gast in Würzburg

24. Africa Festival in Würzburg eröffnet bei strahlendem Sonnenschein

OMAR PENE | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG 2012 | PHOTO: GERALD LANGER
OMAR PENE | 24. AFRICA FESTIVAL WUERZBURG 2012 | PHOTO: GERALD LANGER

Würzburg (music-on-net) Die Voraussetzungen sind bestens. In Würzburg strahlender Sonnenschein, Feierabendstimmung am Freitag. Üblicher Verkehr am Stadtring. Das Gelände an den Mainwiesen dennoch gut erreichbar. Um 13:30 soll das erste Konzert auf der Offenen Bühne starten. Verkehrsprobleme außerhalb Würzburgs zwingend zu einer ersten logistischen Änderung.

 

Modou Seck und seine Band beginnen mit traditioneller Musik aus Senegal etwas später, was sogar von Vorteil ist, da sich das Festivalgelände zusehends füllt. Sie bieten - nach einem längeren Flötenintro, ein sehr perkussionslastiges achtzigminütiges Set. Trommeln in allen Variationen, durchsetzt mit Tanzeinlagen und Gesangpassagen.

 

Vor einigen Jahren hatte die Band noch unter der "Brücke der deutschen Einheit" gertrommelt und war dort Publikumsmagnet. Der lautstarke und durchaus mitreißende Auftakt ist auch heute gelungen. Modou Seck lebt mit seiner deutschen Frau seit Jahren in Mainz zur Miete. Wen wundert's also, dass sich seine Band heute etwas Luft verschafft.

 

Die Eröffnungsfeier des 24. Africa-Festivals findet ab 17:00 im Restaurantzelt statt. Wie jedes Jahr in Anwesenheit politischer und institutioneller Vertreter des Gastgebers und selbstverständlich auch Afrikas. Im Zelt selbst ist es warm, aber die Welt ist hier herrlich bunt. Ibrahima Ndiaye, seit Jahren das Multitalent des Africa Festivals und dort vor allem im Kinderzelt präsent, welches er mit seinem einnehmenden Lächeln immer wieder aufs Neue zu füllen weiß, moderiert souverän und sehr unterhaltsam durch das einstündige Programm. Höhepunkt der Veranstaltung zweifellos das Überreichen des Festival Award 2012 an ihn selbst. Ob er - sich selbst zusammen mit Stefan Oschmann wechselsprachig beschreibend - gleich selbst erkannt hat oder etwas ahnte, wissen wir nicht. In Erinnernung bleibt uns sein strahlendes Lächeln als er den Preis von Stefan Oschmann entgegen nimmt.

 

Auch die im Abendprogramm auftretende Sara Tavares erhält den Festival Award 2012 für ihr musikalisches Werk. Nach längerer Krankheit steht sie nun wieder auf der Bühne und ist sichtlich gerührt. Der Vortragsreigen wird begleitet vom Kora Jazz Duo, welches zum Trio erweitert, am Samstag ab 13.30 auf der Offenen Bühne spielen wird.

 

Um 18:00 beginnt Singer - Songwriter Tcheka von den Kapverdischen Inseln mit seinem Trio ein wunderbar ruhiges Set auf der Offenen Bühne. Ein perfekt gesetzter Kontrast zu den Schlagwerkern des Nachmittags. Das Publikum lässt sich natürlich hier - körperlich - nicht ganz so mitreißen wie zuvor bei Modou Seck. Tcheka bietet sehr viel mehr Musik zum Mithören, auch der feinen Zwischentöne. Er übersetzt traditionelle perkussive Rhythmen in ein fantastisches Gitarrenspiel. Seine beiden Mitspieler wirken allerdings etwas statisch und selbstvergessen, was ihren heutigen musikalischen Beitrag keineswegs schmälert.

 

Die Abendkonzerte beginnen pünktlich. Der erste Höhepunkt - die gemeinsame Einführung in das musikalische Abendprogramm durch Sarah und Ibrahima Ndiaye, die regelrecht um die Wette strahlen. Hier geht die Sonne auf und nicht unter.

 

Omar Pene wird als Mbalaxlegende des Senegals bezeichnet. Mittlerweile sechsundfünfzig Jahre alt, die man ihm allerdings auch aus der Nähe nicht ansieht, ist ihm der große Durchbruch in Europa bisher vesagt geblieben. Seit den 1970er Jahren musiziert er und beeinflusst seitdem neben Youssou N'dour die westafrikanische Popmusik maßgeblich. Seine mehrköpfige Band spielt ein Set, das sich an Funkrhythmen als auch am Reggae orientiert und sich von beiden aber nicht vereinnahmen lässt. Drei Percussionisten im Hintergrund bereiten den polyrhythmischen Teppich, auf dem sich die Band und Omar Pene, im weißen Gewand, sicher bewegen. Er hat den Draht zum Publikum. Lediglich eine laute Eingabe aus der ersten Publikumsreihe scheint ihn etwas zu irritieren. Nach exakt neunzig Minuten ist Schluss. Halbstündige Umbaupause, Zeit, um Luft zu schnappen bevor ein weitere Höhepunkt des Abends ansteht.

 

Sara Tavares und ihre Band beginnen um 22:00. Die kleine Dame von den Kapverdischen Inseln mit großer Stimme hat ihre Band regelrecht um sich aufgebaut. Perfektion vom ersten Moment, das musikalische Korsett sitzt so fest, dass man zweifeln muss, ob hier "live" gespielt wird oder live eine "Referenzaufnahme" eingespielt wird. Der Sound im Zelt - bestens austariert. In der zweiten Hälfte ihres beinahe zweistündigen Sets lockert sie diesen Rahmen. Tcheka, der am frühen Abend noch auf der Offenen Bühne mit eigener Band aufgetreten war, spielt für drei Stücke mit und die Band zeigt prompt die Lockerheit, die man von einem Live-Auftritt bei Musikern solchen Kalibers erwarten darf. Jetzt wird's spannend. Der Knoten scheint durchschlagen. Die beiden im Hintergrund, zuerst noch auf Barhockern, agierenden Gitarristen und Bassisten stehen und der emotionale Funke springt auch endlich richtig über. Respekt vor musikalischer Brillianz allein reichen eben nicht immer aus. Das stehende Publikum ist bewegt und bewegt sich. Kurz vor Mitternacht ist Schluss. Die Moderatorin Sarah kommt auf die Bühne, das erkennbare Zeichen, dass es keine weitere Zugabe zum famosen Finale von Sara Tavares geben wird.

 

Samstagabend ist Damenabend - wir erwarten gespannt Y'Akoto und Angelique Kidjo.

 

 

© Gerald Langer (25-05-2012)

 


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