Konzertbericht und Konzertfotos | 25. Juli 2012 | © Gerald Langer


Weltmusik auf höchstem Niveau

17 Hippies & Elliott Sharp begeistern beim gemeinsamen Auftritt im Rahmen des Würzburger Hafensommers

17 HIPPIES | HAFENSOMMER WUERZBURG | 25-07-2012 | © GERALD LANGER
17 HIPPIES | HAFENSOMMER WUERZBURG | 25-07-2012 | © GERALD LANGER

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Würzburg (music-on-net) Der Hafensommer hat es sich zum Ziel gesetzt, möglichst einmalige Kollaborationen auf seiner schwimmenden Bühne zuzulassen. Dieses Versprechen, Außergewöhnliches, manchmal auch sehr weitab von unseren Hörgewohnheiten zu bieten, hat er heute Abend erneut eingelöst.

 

Nachdem Jürgen Königer als künstlerischer Leiter des Hafensommers mit demonstrativ aufgesetzter Sonnenbrille das über Würzburg einzubrechende Unwetter erfolgreich vertrieben hat, ist die große Bühne frei für den Avantgardisten Elliot Sharp.

 

Vor gut gefüllter Treppenanlage bietet der New Yorker einen den Zuhörer extrem fordernden Solo-Auftritt. Sharp ist Multiinstrumentalist, auch wenn er sich heute Abend ausschließlich an seiner E-Gitarre abarbeiten wird, Komponist, auch Produzent und damit ein Tausendsassa der kreativen Downtownszene seiner Heimatstadt. Aufgrund seiner Spiel- und Experimentierfreudigkeit ist die amerikanische Metropole mehr und mehr zum Rückzugspunkt seines ansonsten eher umtriebigen, weltweit aktiven Musikerlebens geworden. Er ist Grenzgänger und mehr noch ein die Grenzen Überschreitender zugleich. In vorbereitete Schubladen passt er nicht. Jazz und Rock mag er sehr wohl – eine rockender Jazzer oder ein jazziger Rocker ist er beileibe nicht.

 

»Musik ist einfach angewandte Physik«, hat er einmal erklärt. Vielfach unterwirft er seine Kompositionen den mathematischen Proportionen der Fibonacci-Folge, selbst die Saitenstimmung seiner Gitarre wird dieser Struktur unterworfen. Jetzt könnte man annehmen, dass derart ausgeklügelte Konzepte langweilen. Elliott Sharp, häufig auch als »Underground-Nosferatu« bezeichnet, nicht zuletzt auch aufgrund seiner auffälligen Physiognomie, ist dafür aber zu sehr versierter Musiker, allerdings mit durchaus zappaesken Zügen. Und Frank Zappa, dieser ebenfalls amerikanische Paradiesvogel, hat zwar stets polarisiert, gelangweilt hat er allerdings nie.

 

Ein Star-Spangled Banner von Jimi Hendrix wirkt verglichen mit Sharp’s abendlichen Soundskizzen, die er zudem ohne Punkt und Komma serviert, geradezu wie ein fröhliches Kinderlied. Sein Verhalten auf der Bühne – nahezu autistisch. Die sonst übliche Kommunikation zwischen Publikum und Künstler findet eigentlich nicht statt. Dies macht seine Musik nicht unbedingt zugänglicher. Aber will dieser Künstler überhaupt die breite Publikumsakzeptanz? Wohl eher nicht. Im Mittelpunkt steht seine Kunst und der Zuhörer oder Zuschauer mag sich mit ihr auseinandersetzen.

 

Dieser elektronische Trip geht nach einer dreiviertel Stunde zu Ende. Die wenigsten Zuhörer dürften sich zu diesem Zeitpunkt eine Fortsetzung dieser Klangreise via Zugabe gewünscht haben. Der Schlussbeifall infolgedessen höflich und anerkennend, aber längst nicht überbordend.

Elliott Sharp Solo – keine Schonkost, sondern für die meisten wohl eher etwas schwer verdaulich. Für mich jedenfalls faszinierend, weil ich eben auch dieses besondere Faible für das etwas „Schräge und Ungewöhnliche“ habe.

 

Website Elliott Sharp: http://www.elliottsharp.com/

 


ELLIOTT SHARP | HAFENSOMMER WUERZBURG | 25-07-2012 |© GERALD LANGER
ELLIOTT SHARP | HAFENSOMMER WUERZBURG | 25-07-2012 |© GERALD LANGER

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Eine kurze Umbaupause nur, bevor die farbenfrohen „17 Hippies“ die Bühne und ganz schnell auch das Publikum erobern. Alle berechnende Last ist abgeworfen. Es wird gemeinsam Musik gemacht und unterhalten – auf hohem und vielfältigem musikalischen Niveau.

 

Die Berliner Band ist wiederholt zu Gast in Würzburg und begeistert auf ganzer Linie. Die gesungenen Texte – deutsch, englisch, französisch und hessisch – Weltsprachen eben und Weltmusik. Die 17 Hippies, zwar nur zu zwölft auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, klingen gewaltig gut. Sie geben dem Einzelnen in diesem Musikerkollektiv und ihren Instrumenten immer den nötigen Raum. Die musikalische Leitung liegt unübersehbar bei Christopher Blenkinsop, der dieses Orchester, ob mit Ukulele, Gitarre oder allein mit großer Geste und Ganzkörpereinsatz, sicher durch den Abend manövriert.

 

Dach wie wird die mit Spannung erwartete Fusion von Elliott Sharp und den Hippies funktionieren?

 

Geplant war ursprünglich ja ein Zusammenspiel von Marc Ribot, der schon mit anderen, auch eher schrägen Lichtgestalten wie John Lurie und Tom Waits zusammen gearbeitet hatte. Marc Ribot musste dann allerdings aus persönlichen bzw. familiären Gründen den geplanten Auftritt auf der Hafenbühne absagen. Müssen wir das bedauern? Nein – die Zusammenarbeit mit den Hippies ist bereits auf Tonträgern dokumentiert und nacherlebbar.

 

Wir aber erleben heute eine exklusive Weltpremiere.

 

Im laufenden Set betritt Elliott Sharp die Bühne. Nach einem längeren improvisierten Intro, in dem er „ans Netz“ geht, beginnt ein spannender Parcour, der die Stücke von den Hippies wahrlich noch zu bereichern in der Lage ist. Und siehe da – Elliott Sharp lächelt, er zeigt menschliche Züge und dürfte damit auch manchen Zweifler in den Besucherreihen schlussendlich doch noch von seiner Kunst überzeugt haben.

 

Aus meiner Sicht fügt sich Elliott Sharp grandios in das Zusammenspiel mit dem Ensemble ein und zeigt damit, welch enormes Musikverständnis er hat. Die Künstler sind sich zwar zuvor nie auf der Bühne begegnet, daher auch der sehr respektvolle Umgang miteinander.

 

Alles in Allem ein wunderbares, manchmal auch wundersames, Doppelkonzert.

 

Um 23:00 geht damit ein spannender Hafenabend zu Ende.

 

Freuen wir uns also auf den nächsten!

 

© Gerald Langer (25-07-2012)

 

 

Website der Band: http://17hippies.de/

 

Setlist:

 

Kaukapol - Sirba - Jolies Filles - Wedding Song - Tick Tack - Biese Bowe - Jovann -Green Bottles - Schattenmann - Étrangère - Kasilamas - Frau von Ugefähr - Bourée Dite - Lazy Friends & Promises - Train - Stern - Chassidic - Marlene


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